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Wie pflege ich ein Kulturdenkmal?

Im Laufe der Jahre wechseln viele Objekte den Besitzer. Neue Eigentümer sanierter oder auch nur teilsanierter Kulturdenkmale werden sich fragen: Wie pflege ich mein Kulturdenkmal? Diese Frage ist eigentlich schnell beantwortet. Nur wenig unterscheidet den Pflegeaufwand für Kulturdenkmale von dem für nicht unter Denkmalschutz stehende Gebäude. Bei beiden Gebäudegruppen führen unterlassene Kontrollen und verzögerte Instandsetzungsarbeiten, z. B an der Dacheindeckung, an Rinnen und Fallrohren, an Holzfenstern und Holztüren, an Anstrichen und Mauerwerksoberflächen zu identischen Schäden. Für beide gilt, dass zu spät entdeckte und verzögert ausgeführte Reparaturen häufig sehr kostenintensiv sind.

Darüber hinaus unterscheiden sich aber die Pflegeaufwendungen bei einem Kulturdenkmal aufgrund der besonderen Rahmenbedingungen, die durch den Denkmalschutz vorgegeben sind.

Historische Holzfenster müssen durch den Maler auch zukünftig sorgfältig gepflegt werden bzw. durch den Tischler, dort wo nötig, unter größtmöglicher Schonung der originalen Bausubstanz repariert werden. Bauhistorisch wichtige Ausstattungsteile wie Wandpaneele, Treppengeländer oder Türblätter und Türzargen sollten mit Vorsicht und Sachverstand gehandelt werden. Auf ein vollständiges Ablaugen und Abbrennen bestehender Farbschichten ist zu verzichten, um bauzeitliche Farbigkeiten und evtl. vorhandene Malereien nicht unwiederbringlich zu zerstören.

Um die aufwendigen und kostenintensiven Restaurierungen vorhandener Wand- oder Deckenmalereien, zu vermeiden, wird  häufig auf das Abnehmen jüngerer Farb- und Putzschichten von den Wänden und auf den Rückbau verkleideter Decken verzichtet. Daher empfiehlt sich für einen neuen Eigentümer oder Erben eines Kulturdenkmales, der über den tatsächlichen Umfang einer erfolgten Sanierung nicht genau informiert ist, auch beim Überarbeiten von Wandflächen und Deckenverkleidungen ein schrittweises Vorgehen. Die Denkmalbehörde verfügt in vielen Fällen über umfangreiche Unterlagen zu den Kulturdenkmalen, z.B. mit Nachweisen über frühere Maßnahmen, Untersuchungen und Erkenntnissen.

Ziehen Sie beim Entdecken von Befunde jeder Art, wie Malereien, Farbfassungen, alte Wandbekleidungen, Bodenbeläge, Baumaterialen, Baukonstruktionen usw. den Denkmalpfleger möglichst frühzeitig zu Rate. Sie selbst sind es, die trotz möglicher Zuschüsse von Dritten einen Großteil der Kosten einer Restaurierung, bzw.  Teilreparatur zu tragen haben.

Auch wenn jedes Kulturdenkmal ein Unikat ist, seinen eigenen Charakter hat und seine nur ihm eigene Ausstattung und Struktur: Die täglichen Probleme mit und an den Ziegelwänden, an den hölzernen konstruktiven Bauteilen wie Balkenlagen und dem Dachstuhl wie auch an den oft hochwertigen Ausstattungsteilen und den vielfältigen Malereibefunden ähneln sich. Die gleichen Fragen in Sachen Bauunterhaltung, z. B. zu Salzausblühungen an den Wänden, abblätternden Malschichten auf einer hölzernen Unterdecke oder anderen Punkten hat es bereits vor Ihrem Fall in gleicher oder ähnlicher Form andernorts gegeben. Für die Suche nach Antworten möchten wir Ihnen mit auf den Weg geben, dass eine gute Beratung manchen Irrweg ersparen wird. Einerseits ist es der Denkmalpfleger selbst, der Ihnen bei Bedarf beratend zur Seite steht, andererseits kann er außerdem in vielen Fällen aufgrund der Aktenlage oder auch seiner Erfahrung definieren, welche zusätzlichen Untersuchungen an einem Objekt von erfahrenen Handwerkern, Bauhistorikern oder Restauratoren durchgeführt werden sollten.

Umfangreichere Umbaumaßnahmen sollten Sie von denkmalerprobten und sanierungserfahrenen Architekten und Statikern betreuen lassen, die mit der besonderen Problematik und Vielschichtigkeit der meist vielhundertjährigen Bebauung in der Lübecker Altstadt vertraut sind. Auch in Bezug auf Handwerksbetriebe lohnt sich, abhängig von den Gewerken, ein genaues Hinschauen. 
Glücklicherweise bietet Lübeck für nahezu alle denkmalrelevanten Gewerke Handwerksbetriebe, die seit Jahrzehnten mit dem Thema Denkmalpflege vertraut sind und an vielen Objekten bewiesen haben, dass sie den Umgang mit diesem besonderen Aufgabenbereich beherrschen. Ein für Neubauten zuverlässiger Betrieb muss für ein Denkmal nicht zwingend geeignet sein, der günstigste Bieter muss nicht gleichzeitig der Beste sein. Hören Sie sich um.

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