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Essbare Stadt Lübeck

natur. leben. vielfalt.

Die Essbare Stadt Lübeck, ein Projekt des Bereichs Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutz der Hansestadt Lübeck, ist eine Plattform für Menschen, Initiativen und Vereine, die in ihrer Nachbarschaft kreativ und gemeinschaftlich Freiräume erschaffen.

 

12 Thesen zur Essbaren Stadt Lübeck - Die Projektziele

 

1. Wandel ermöglichen

Die Essbare Stadt lädt ein, selber aktiv zu werden und das eigene Umfeld kreativ zu verändern.

Die Kinder der Grundschule Falkenfeld haben sich, unterstützt durch die Schulleitung, ihre Lehrerinnen, den Schulverein und das Flechtwerk Falkenfeld, Großes vorgenommen: Sie wollen ihren langweiligen, asphaltierten Schulhof kreativ verschönern, mit essbaren Pflanzen zum Leben erwecken und zum ‚Naturhof‘ umbauen. Das Besondere dabei ist: Hier planen nicht Professionelle, sondern Schüler:innen werden selbst schöpferisch tätig und legen Hand an.

Die Grundschule Falkenfeld liegt in St. Lorenz Nord. 70% der Schüler:innen haben einen interkulturellen Hintergrund. Die Schule ist offene Ganztagsschule und ausgezeichnete ‚Zukunftsschule‘. Sie lebt aktiv eine Partnerschaft mit einer Schule in Lesotho und hat Integrationsklassen mit besonderer Sprach- und Sportförderung. Das sehr engagierte Kollegium trägt zukunftsweisende Themen wie Upcycling, gesundes Essen, Nationen übergreifende Wertschätzung füreinander und aktiven Einsatz für eine gesunde Umwelt in den Unterricht hinein. Diese Themen werden auch in der  Nachmittagsbetreuung der offenen Ganztagesschule als Projekte und AGs aktiv aufgegriffen.

Bei der Gestaltung des Schulhofs sind die Kinder die wichtigsten Ideengeber und Akteure. In mehreren „Denkfabriken“ brachten sie ihre Ideen in Form von bunten Zeichnungen aufs Papier. Ihr Motto ist: Bewegung und Spaß mit einfachen Mitteln. Im befestigten Bereich des Naturhofs gibt es jetzt Bewegungsspiele aus ihrer Partnerschule und ein „Schlüssellochbeet“ nach afrikanischem Vorbild. Diese spezielle Form eines ‚intelligenten‘ Hochbeetes ist besonders an regenarme Gebiete angepasst. Es hat im Zentrum einen lebendigen Komposthaufen, der regelmäßig mit organischem Material „gefüttert“ wird. Beim Wässern werden organische Nährstoffe frei und versorgen Tomaten und Zucchini, die unter der Hand der Kinder prächtig gedeihen – ein echter Prototyp zum Nachbauen in Zeiten des Klimawandels. Das Thema Upcycling setzen die Kinder praktisch um, indem sie unzählige alte Gefäße, Behälter, Rucksäcke, Taschen, Schuhe und Flaschen in der Nachbarschaft sammelten und umfunktionierten: Aus alten Autoreifen wurden bunt bemalte dekorative Minibeete und kindgerechte Sitzgelegenheiten, aus Plastikflaschen und anderem „Müll“ grazile transparente Pflanzbehälter. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Gebastelt wird mit allem, was „zu gut ist für die Tonne“. Großartiges leisten die Kinder auch bei der Verwertung von Lebensmitteln, die normalerweise in die Tonne wandern würden: Der Bio-Naturkostservice „Schwinkrader Mühle“ liefert der Schule kostenlos zweimal pro Woche mehrere Kisten Obst und Gemüse, woraus viele fleißige Kinderhände einen gesunden und leckeren Obst-Gemüse-Imbiss für die gesamte Schule zaubern. Bei Schulfesten tischen die Kinder dann richtig auf und kochen interkulturell nach afrikanischen Rezepten aus der Partnerschule Lesotho.

Motor des Vorhabens ist das ‚Flechtwerk Falkenfeld‘, ein großes Netzwerk aus Firmen und Wohnungsbaugesellschaften der Siedlung Falkenfeld, Partnern der Essbare Stadt Lübeck, Eltern und Nachbarn und vielen weiteren Unterstützern. Sie alle helfen mit, dass stolze Schulkinder eine ganze Siedlung in Bewegung bringen. Spenden sind herzlich willkommen.

Kontakt:
Ulf Heitmann, Tel. 0451-47998263, E-Mail: flechtwerk-falkenfeld@gmx.de, www.naturhof-falkenfeld.de, www.verein.sun-umbrella.de.

 

 

2. Gesund genießen

Die Essbare Stadt zeigt, wie Wildkräuter, heimisches Obst und Biogemüse kreativ zum „gesunden Genießen“ und Heilen
verwendet werden können.

Wer schon mal einen „Potluck“ der veganen Rohkostinitiative Lübeck erlebt hat, hat einen Eindruck davon, wie aus einer Fülle natürlicher Zutaten ein Augen- und Gaumenschmaus werden kann. Gutes Essen weckt Glücksgefühle – das steckt in der englischen Wortschöpfung aus „pot“ (Topf) und „luck“ (Glück). Zum „Potluck“ bringen alle eine eigene kulinarische Kreation aus rohen, veganen Zutaten für ein gemeinsames Essvergnügen mit. Neben gesundem Genuss steht der Austausch miteinander und das Lernen voneinander im Mittelpunkt. Rohköstliche Kräuter- und Gemüsechips, knusprig gedörrte Kräcker, leckere Suppen, süßes Konfekt, bunte Rohkosttorten, am liebsten mit frischem, heimischem Obst: Interessierte sind herzlich willkommen und werden staunen über das appetitliche Angebot. Die Treffen finden an wechselnden Orten statt.

Teilnehmer:innen am Rohkosttreffen kommen aus unterschiedlichen Motiven: Die Neugierigen wollen sich einfach mal mit etwas Ungewohntem überraschen lassen. Andere haben Gesundheitsprobleme und treffen hier Menschen, die mit Hilfe einer Umstellung der Ernährung auf vegane Rohkost eine Linderung ihrer Beschwerden oder gar Heilung erleben. Sie finden gebündelte Erfahrung vor, wie man an eine Ernährungsumstellung herangehen kann und was dabei zu beachten ist. Viele, die regelmäßig kommen, sind im Heilwesen tätig und können helfen, weitere Wege zu mehr Gesundheit zu öffnen. Wieder andere sind interessiert an neuen Rezepten mit Wildkräutern, wollen wissen, wo man sie in Lübeck am besten sammelt und wer Kräuterwissen weitergeben kann.

Nicht zufällig gibt es Schnittmengen zwischen der Lübecker Wildblumeninitiative und der Veganen Rohkostinitiative. Für den „Grünen Smoothie“, den vitaminreichen Durstlöscher, den mittlerweile auch schon viele für sich entdeckt haben, die sich nicht rein vegan und rohköstlich ernähren, verwendet man nach Möglichkeit frisch gepflückte Wildkräuter und heimisches Obst. Brennessel, Oranges Habichtskraut, Wilde Malve, Gänsefingerkraut – überraschend viele Wildkräuter sind wohlschmeckend und in ihrem Vitamin C-, Vitamin A-, Mineralstoff- und Reineiweißgehalt selbst biologisch angebautem Kulturgemüse deutlich überlegen. Roh genossen oder unter 42°C zubereitet, schätzen Kenner vor allem auch ihre lebenswichtigen Vitalstoffe, zu denen auch wertvolle Antioxidantien und Enzyme gehören, die wir benötigen, damit unsere Zellen fortlaufend regenerieren und gesund bleiben. Verschiedene Bitterstoffe, vornehmlich in Wildkräutern enthalten, regen den Stoffwechsel an und fördern eine gute Verdauung. Diese Zusammenhänge sind für viele eine gute Motivation, essbare Wildkräuter rundum kennenzulernen – von ihren Erkennungsmerkmalen über ihre Inhaltsstoffe bis hin zum Erleben ihres Geschmacks und ihrer Anwendung in der kreativen Küche und zum Heilen.

Wer sich lieber von erfahrenen Küchenchefs verwöhnen lassen möchte, kann das in der Roh- und Naturkostpension „Das Sonnenhaus“ in dem kleinen Dorf Obernwohlde 10 km westlich von Lübeck tun. In wunderschönem Ambiente umsorgen Elke Neu und zwei Rohkost-Gourmet-Zubereiter ihre Gäste. Die Inhaberin ist Ernährungsberaterin im Bereich Rohkost mit eigenem Kursangebot und bietet in ihrem Haus auch Entschlackungskuren sowie Aufbaukuren zur Rekonvaleszenz bei schweren Erkrankungen an.

Kontakt:
Christa Fischer, Rohkostinitiative Lübeck, Tel. 0451 – 793115 Elke Neu, Sonnenhaus, Tel. 04506 – 300, www.das-sonnenhaus.de

 

 

 

3. Wildpflanzen verbreiten

Die Essbare Stadt fördert die lokale Vermarktung insektenfreundlicher Wildstauden und Biogemüsesorten

Auf dem Gelände des historischen Guts Bliestorf ist die Gärtnerei von Petra Panthel angesiedelt, die seit 2009 nach Demeter-Richtlinien betrieben wird. Man findet den Betrieb, von Bliestorf kommend, gleich hinter dem Herrenhaus: Auf 0,5 ha Land liegt, umgeben von Ländereien eines Demeterhofs und inmitten der wunderschönen Kulturlandschaft, eine besondere und vielgestaltige Produktionsstätte für Wildblumen, Biogemüse, Kräuter, Stauden und Beeren. Sie wird ergänzt durch einen arten- und blütenreichen Schaugarten und ein Café, das zu den Öffnungszeiten der Gärtnerei – während der Gartensaison samstags von 12 bis 17 Uhr – leckere Biokuchen und Getränke anbietet. Ein Einkauf dort ist ein besonderes Erlebnis für alle Sinne.

Im Kräuter- und Gemüseanbau ist die Gärtnerei auf samenfeste, an das regionale Klima bestens angepasste alte Sorten spezialisiert. Nach Richtlinien des Bioanbaus wird der Fruchtwechsel beachtet und Humusaufbau mittels der Anwendung von Pflanzenjauchen, Kompost und Gründüngung mit Gemengen aus Phacelia, Buchweizen, Lupinen, Klee- und Wickenarten betrieben. Neben dem Verkauf in der eigenen Gärtnerei hat die Inhaberin alljährlich von Mai bis Oktober einen Stand in der Lübecker Fußgängerzone. Außerdem vermarktet sie ihre Produkte über 4 Biomärkte der Landwege e.G. in Lübeck.

Der große Schaugarten mit Pavillion ist von Frühjahr bis Spätsommer eine wahre Pracht. Ein riesiges Sortiment an blühenden Zwiebel- und Wildpflanzen, Gartenstauden und Rosen entfaltet nicht nur für BesucherInnen ihre Schönheit, sondern bietet auch auch einer Vielzahl von Hummeln, Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Insekten einen reich gedeckten Tisch: vom Alant bis zur Aster, vom Beinwell bis zur Bartnelke, vom Lavendel bis zum Löwenmaul, vom Natternkopf bis zur Nelke, von Schafgarbe bis Steppensalbei .... . Hier finden auch erfahrene GartenbesitzerInnen Anregungen und Arten, die das eigene Sortiment und dessen Blütenzeitraum erweitern können.

Die Gärtnerei Gut Bliestorf hebt sich jedoch nicht nur durch das Sortiment von anderen Betrieben ab, sondern auch durch das Engagement der Inhaberin für Artenreichtum. Der Garten des Betriebes beinhaltet neben Nahrungspflanzen auch vielfältige Nisthilfen für wilde Tiere: Steinhaufen für wärmeliebende Reptilien, Nistkästen für höhlenbrütende Vögel, Kompostmieten, Totholz- und Laubhaufen für Igel und andere Säuger, ein Sandbeet für erdnistende Insekten sowie Nistangebote für im Holz und in Röhren nistende Arten. Ein reiches Ideenrepertoire zum Nachbauen im eigenen Garten ist hier zu finden. Alle Objekte sind mit hervorragenden Schautafeln versehen, so dass sich BesucherInnen in Theorie und Praxis über das jeweilige Anschauungsobjekt eigenständig informieren können.

Wer seine Kenntnisse vertiefen möchte, kann Führungen wahrnehmen, die Petra Panthel zusammen mit einem Team an Kundigen von Anfang Juni bis Ende September anbietet. Hier kann man sich weiterbilden, wie man Nützlinge und Naturschutz im ei-genen Garten fördert, wie man Gemüse und Blumen selber heranziehen kann, welche Kräuter zum Konservieren, zum Essen oder für die Hausapotheke nutzbar sind, und vieles mehr. Herzlich Willkommen!

Kontakt:
Petra Panthel, Tel. 0451-822 0912, E-Mail: petrapanthel@web.de, www.gaertnerei-gut-bliestorf.de

 

 

4. Gemeinsam gärtnern

Die Essbare Stadt Lübeck schafft „multifunktionale Freiräume“ für interkulturelle Begegnung im öffentlichen Grün – zum gemeinsamen Säen, Pflanzen und Ernten.

Die Interkulturelle Begegnungsstätte e.V. (IKB) „Haus der Kulturen“, ein Zusammenschluss von über 15 Vereinen, Einrichtungen und Initiativen, setzt sich für eine offene, gleichberechtigte und friedliche multikulturelle Gesellschaft ein. Sie hat ihren Schwerpunkt in der Beratung, Bildungs-, Kultur- und Netzwerkarbeit zur Förderung der Integration auf Augenhöhe von migrierten und geflüchteten Menschen. Die Räumlichkeiten der Begegnungsstätte mit Gartencafé liegen in einem historischen Gebäude in schönem Ambiente beim Dom an der Parade. Hier finden neben Gruppensitzungen, Beratungen und Kursen auch regelmäßig öffentliche Ausstellungen und Konzerte mit interkulturellen KünstlerInnen statt.

Im Frühjahr 2017 wurde der Außenbereich des Cafés um einen öffentlich zugänglichen Interkulturellen Kräutergarten erweitert. Auf dem Gelände der Domgemeinde setzte eine vom Haus der Kulturen koordinierte und interkulturell zusammengesetzte Gartengruppe das erste Projekt der Essbaren Stadt Lübeck in der Altstadt um: Es besteht aus einer neu angelegten Wildblumenwiese und 5 Hochbeeten aus Holz, die die fünf Kontinente der Erde repräsentieren. Die Idee ist, im öffentlichen Raum und im Rahmen von interkulturellen Workshops den Gebrauch von Kräutern für den gesunden Genuss erlebbar zu machen, zu zeigen, welche Kräuter universell, aber in verschiedenen Ausprägungen auf verschiedenen Kontinenten wachsen und welche Kräuter es – beispielsweise nur in Afrika - gibt. Blütenreiche Garten- und Wildkräuter werden vom Café für kreative interkulturelle Snacks und kunterbunte Buffets verwendet, dürfen aber auch von Passanten und Cafégästen verkostet werden. Hummeln, Wildbienen, Schmetterlinge finden in der bunten Pracht Nahrung und Nistmöglichkeiten.

Im Frühjahr 2018 wurde das zweite, von einer interkulturellen Gruppe getragene Gartenpro-jekt des Hauses der Kulturen in der Altstadt eingeweiht: Der Interkulturelle Naschgarten, gelegen in einer öffentlichen Grünanlage nahe eines Spielplatzes und des „Baobab-Parks“ an der Ecke Dr. Julius-Leber-Straße / Kanalstraße. ‚Naschen erlaubt‘ ist das Motto der neusten Stadtoase der Essbaren Stadt Lübeck. Der von Sitzmauern umgebene Garten liegt an der historischen Stadtmauer und ist ein Geheimtipp am Spätnachmittag, wenn die tiefstehende Sonne ihm einen besonderen Zauber verleiht. Hier wachsen neben vielen Gartenkräutern auch besondere Pflanzen wie die „Goldene Beere“ mit dem vier-fachen Nutzen von Duft, Schönheit, essbarer Früchte und attraktiver Herbstfärbung, die als „Adam und Eva“ getauften männlichen und weiblichen Beeren-Kiwis und der leckere Spargelsalat. Bei Kindern sehr beliebt sind Erdbeeren, Himbeeren und Zuckererbsen.

Die Interkulturellen Gärten sind zum Mitmachen für alle da: Die Gartengruppen verbinden Menschen verschiedener Kulturen über gesundes Genießen und gemeinsame Arbeit. Sie freuen sich über Zuwachs beim gemeinsamen Planen, Gestalten, Säen, Pflanzen und Gießen. Die Gärten sind auch Grünes Zimmer für Grundschulen und KITAS der Altstadt: Kinder der benachbarten KITA haben die neuen Oasen bereits lieb gewonnen. Beim Beobachten, Gärtnern und Gießen lernen sie spielerisch im Miteinander von Mensch, Tier und Pflanze.

Kontakt:
Haus der Kulturen, Tel. 0451- 75532, E-Mail: ikb@hausderkulturen.eu, www.hausderkulturen.eu

 

 

5. Stadtoasen besiedeln

Die Essbare Stadt Lübeck schafft Wildblumenflächen als ökologische Nischen – zum Beispiel für Hummeln, Wild- und Honigbienen

Hornklee und Klatschmohn, Wegwarte und Flockenblume, Nachtkerze und Ochsenzunge: Mit auffälliger Erscheinung und kräftigen Farben locken sie eine Vielzahl tierischer Bewohner an und machen Passanten und Radfahrer auf sich aufmerksam. Flächen mit heimischen Wildblumen sind „Stadtoasen“ für Menschen und Tiere. Es gibt sie auf Seitenstreifen von Hauptstraßen wie der Travemünder Allee und der Moltkestraße, an der Klughafenbrücke, am „Regenbogen“ und entlang der Kanaltrave.

Die Wildblumeninitiative Lübeck wurde 1998 als Kulturprojekt von Christa Fischer ins Leben gerufen. Mit dem Motto „Wegwartenblau und königskerzengelb im Lübecker Stadtbild“ gewann sie damals Naturfreunde, Politiker, Stadtangestellte und nicht zuletzt über 2000 Bürgerinnen dafür, zwischen Hüxtertorallee und Wakenitz die ersten städtischen Flächen mit Wildblumensamen zu begrünen. Zusammen mit Weggefährten sammelte sie emsig heimische Samen, harkte und säte aus, zu Gunsten von Schmetterlingen, Wildbienen, Käfern und anderen Wildtieren. Sie alle leben in vielerlei Beziehungen miteinander und voneinander. Durch die unermüdliche Überzeugungsarbeit der Initiatorin und ihren tatkräftigen Einsatz für die artenreichen Stadtoasen ist das Wissen um wechselseitige Abhängigkeiten von Wildpflanzen und –tieren mehr und mehr in die Köpfe der Lübecker gesickert.

Das vielfältige Erscheinungsbild der bunten Flächen, in denen es brummt und summt, ist zur Hauptblütezeit ein Hingucker. Im Spätsommer und Herbst, wenn die Frühblüher fruchten oder bereits vertrocknet sind, bieten die nicht gemähten Bestände gegenüber den Vielschnittrasen für viele einen ungewohnt struppigen Anblick, der nicht immer sofort Akzeptanz findet. Viele aufklärende Gespräche weckten Schritt für Schritt Verständnis dafür, wie wichtig verbleibende Fruchtstände und abgeknickte Pflanzenstängel sind, damit Insekten und andere Tiere im Stadtgebiet das ganze Jahr über Nahrung, Nistangebote und Überwintersmöglichkeiten finden.

Heute sind die Lübecker Wildblumenflächen überregional bekannt, aber nicht nur eine Erfolgsgeschichte. Sie unterliegen einer natürlichen Alterung und damit einhergehenden Dynamik. Auf vielen Flächen ist die Artenvielfalt zurückgegangen. Als Kulturbiotope erfordern sie, je nach Alter und Standort, eine kontinuierliche, aber differenzierte Pflege. Sie sind eine Herausforderung für Stadtgärtner, da immer wieder auf die Bestandsveränderung reagiert werden muss. Der Bereich Stadtgrün und Verkehr hat Stück für Stück Verantwortung für die Pflege übernommen. Auch die Entsorgungsbetriebe Lübeck sind auf einigen Flächen aktiv. Die städtischen Bereiche Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutz und Stadtgrün und Verkehr sowie viele Akteure des Netzwerks Essbare Stadt Lübeck setzen sich dafür ein, dass neue Wildblumenflächen in der Stadt entstehen, heute in der Regel mittels Ansaat von regional erzeugten Wildblumen-Saatgutmischungen und auch in anderen Kontexten, zum Beispiel im Rahmen der Freiraumplanung bei der Entstehung neuer Wohn- und Gewerbegebiete. Wildblumen verbreiten und bestehende Flächen erhalten ist heute wie vor 20 Jahren gleichermaßen bedeutend für eine vielfaltige, artenreiche Stadtnatur. Auch jeder einzelne kann initiativ werden - ein sonniger Fleck im eigenen Garten oder auf dem Balkon genügt.

Kontakt:
Christa Fischer, Tel. 0451-793 115, E-Mail: wildblumen.fischer@gmx.de

 

 

6. Menschen verbinden

Die Essbare Stadt wirkt inklusiv. Sie lädt Menschen aller Generationen zum Mitwirken ein – ob mit oder ohne Handikap

Umgeben vom malerischen Kuhbrookmoor, am Rande des Wesloer Waldes, liegt der Marli-Hof mit einer nach Bioland-Richtlinien zertifizierten Gärtnerei und weiteren Produktionsstätten der Marli GmbH, einer Einrichtung, in der Menschen mit Handikaps in geschütztem Umfeld am Arbeitsleben teilnehmen können. Hier werden in Freilandanbau, in Gewächshäusern und auf Obstwiesen Kartoffeln, Gemüse, Obst, Blumen, Kräuter und Jungpflanzen erzeugt. Die Vermarktung erfolgt vor Ort im Marli-Hofladen an der Wesloer Landstraße. Neben saisonalem Gemüse wird dort auch Handgemachtes aus der Kerzenzieherei, Töpferei, Buchbinderei und Textilverarbeitung angeboten. Das attraktive Hofgelände beherbergt einen öffentlich zugänglichen, sehenswerten Blumen- und Kräutergarten, in dem man gegen eine Gebühr selber Blumen pflücken und Kräuter ernten kann. Zum Einkehren gibt es ein einladendes Hofcafé mit imposantem Angebot an selbstgebackenen, sehr leckeren Torten. Es wird ebenfalls von Menschen mit Handikaps betrieben.

Seit mehreren Jahren ist auf dem Gelände eine Gruppe von aktiven Biogärtner:innen mit dem Projekt „Biogärtchen“ zu Hause. Es sind Einzelpersonen, Paare oder Familien mit Kindern, die gegen eine Gebühr jeweils für eine Gartensaison eine der ca. 15 Parzellen nach Richtlinien des Bioland-Bioanbaus nutzen. Zum Ende der Pflanzsaison helfen Mitarbeiter:innen der Gärtnerei mit technischem Gerät bei der Vorbereitung des Saatbettes für das kommende Jahr. Dabei rotiert die Anbaufläche jährlich und auf der Fläche des Vorjahres wird Gründünger zur Bodenregeneration eingebracht.

Im ausgehenden Winter treffen sich die rührigen Biogärtner:innen im Hofcafé und planen gemeinsam die Sortenwahl für das kommende Anbaujahr. In Arbeitsteilung beschäftigen sich einige der Aktiven mit der Anzucht von Jungpflanzen – unter konsequenter Wahrung des Prinzips, dass nur biozertifiziertes Saatgut bzw. Setzlinge verwendet werden. Jede Parzelle wird in Eigenregie des Nutzers bepflanzt, gewässert und gepflegt. Im Schnitt wachsen hier 40 unterschiedliche Gemüsearten pro Parzelle, gemischt mit bunten Blumen wie Ringelblumen, Kapuzinerkresse und Sonnenblumen. Die große Vielfalt erfreut das Auge und die reiche Insektenwelt ringsum.

Im Kontakt mit Gleichgesinnten biologisch zu gärtnern ist für viele Gartenneulinge ein guter Einstieg in die eigene Produktion von Biogemüse. Hier gibt es jederzeit Tipps, was die Pflege oder der Umgang mit Schädlingen angeht. Man hilft sich untereinander in der Urlaubszeit, man trifft sich „auf der Scholle“ in entspanntem Rahmen. Die Mitglieder genießen eine verhältnismäßig „sichere“ Ernte an selbst erzeugtem hochwertigem Biogemüse und die Synergieeffekte mit der Gärtnerei ohne beschwerliches Graben. Sie schätzen Ruhe und Erholungswert des schönen Geländes. Die erdverbundene Arbeit ist für sie ein Ausgleich zu der schnelllebigen Zeit und deren verdichtete Anforderungen. Die 15 vorhandenen Parzellen sind jedes Jahr ausgebucht; derzeit gibt es eine lange Warteliste von Interessenten.

Kontakt:
Friederike Meinburg, Tel. 0451-6203 240, E-Mail: f.meinburg@marli.de, Andreas Gatermann, Tel. 0451-6203 126, E-Mail: a.gatermann@marli.de, www.marli.de

 

 

7. Naturparadiese erleben

Die Essbare Stadt öffnet Naturparadiese für die Pflege unserer Kulturlandschaft und das Miteinander von Menschen unterschiedlicher Kulturen

Die Pfadfinder Royal Rangers Lübeck und der Verein Hanse-Obst e.V. nutzen gemeinsam ein 3,5 ha großes Naturgelände am Moislinger Baum, direkt an der Travebrücke, für obst- und naturpädagogische Aktionen. In 2018 wurde das einmalige Naturparadies mit 50 Obstbäumen mittels finanzieller Unterstützung durch das Projekt Regiobranding zum Interkulturellen Treff weiterentwickelt. Menschen unterschiedlicher Länder und Kulturen, Interessierte aus Moisling, Buntekuh, St. Lorenz Nord, Genin und ganz Lübeck sind eingeladen, sich hier zu treffen, gemeinsam zu arbeiten, zu feiern und Spaß zu haben. Das Projekt ist ganzjährig offen für viele Schulen und Kitas der angrenzenden Stadtteile.

Die Kinder kommen mit Ihren Erzieher:innen und Lehrer:innen, aber auch im Rahmen der Nachmittagsbetreuung regelmäßig in den Naturerlebnisraum. Sie können hier nicht nur frei spielen, sie pflanzen gemeinsam mit Ihren Betreuer:innen von Hanse-Obst e.V. auch Bäume. Durch alle Jahreszeiten hindurch kümmern sie sich um diese Gehölze. Im Herbst pflücken sie Obst und lernen, wie man es zu Saft oder anderen Leckereien verarbeiten kann. Dabei erleben sie auch die kleine Schafherde, die die Obstwiese kurz hält, lernen nebenbei, was Schafe brauchen und wie man Wolle verarbeiten kann. In den Ferien gibt es hier regelmäßig Angebote für Kinder im Rahmen von Ferienpassaktionen.

Für Erwachsene bietet der Verein Hanse-Obst e.V. vor Ort Kurse im Bereich Kulturlandschaftspflege an: Obstbaumschnitt für Jung- und Altbäume, Sensenkurse, Färben und Spinnen von Wolle, Weidenflechten, Kopfweidenpflege und Kräuterführungen. Jeden letzten Mittwoch im Monat treffen sich auf den Gelände unter Leitung von Hanse-Obst e.V. - unterstützt durch die Initiative ‚Moisling hilft‘, das Stadtteilbüro Moisling, die Brockensammlung Lübeck e.V., Regiobranding und Essbare Stadt Lübeck - Migrantinnen und Migranten jeden Alters mit Einheimischen zum gemeinsamen Arbeiten und verbessern so ihre Deutschkenntnisse. Im vergangenen Jahr wurden gemeinschaftlich Wege angelegt, ein Färberbeet gebaut, ein gespendetes Blockhaus aus Holz errichtet und frisch gestrichen. Menschen jeden Alters sind willkommen, ihre sprachlichen, kommunikativen und handwerklichen Fähigkeiten einzubringen, von anderen zu lernen und mitzumachen. Infos zur Lage des Interkulturellen Treffs, Öffnungszeiten, Kursen und Veranstaltungen gibt es unter www.hanse-obst.de.

Kontakt:
Heinz Egleder, Stammwart Royal Rangers und Vorstand Hanse-Obst e.V., Tel. 0176-278 40 625, E-Mail: e.h.egleder@t-online.de, www.hanse-obst.de.

Neben dem Interkulturellen Treff Moislinger Baum betreibt der Verein Hanse-Obst e.V. auch einen Sortenerhalt-Garten am Krummesser Baum, Kronsforder Landstraße 331-333, 23560 Lübeck, der auf Anfrage unter dem oben genannten Kontakt für Kindergruppen und sonstige Interessenten geöffnet wird. Hier finden ebenfalls Obstbaumschnittkurse statt. Auch die Erlebnismosterei Lübeck ist hier untergebracht: www.erlebnismosterei.de . Der Verein hat in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Obstwiesen angelegt, an über 20 Schulen und Kitas Bäume gepflanzt und kümmert sich in Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde Lübeck um den Erhalt, die Pflege und Weitervermehrung alter regionaler Obstbaumsorten. Die Gruppe der Hauptaktiven trifft sich am 1. Dienstag im Monat und freut sich über Zuwachs.

 

 

 

8. Bio & regional wirtschaften

Die Essbare Stadt Lübeck erzeugt vielfältige Produkte in Bioqualität vor den Toren Lübecks und vermarktet sie regional in Hofläden und auf Märkten

Vor den Toren Lübecks, direkt am Dräger-Wanderweg bei Absalonshorst liegt der Hof Falkenhusen. Der vielseitige Familienbetrieb der Familie Aewerdiek betreibt seit 1997 schrittweise die Umstellung auf Biologischen Anbau. Anstoß dafür war ein wegweisender Beschluss in der Lübecker Bürgerschaft, neu zu verpachtende Flächen der stadteigenen Liegenschaften bevorzugt an biologisch wirtschaftende Betriebe zu vergeben.

Nähert man sich der Hofeinfahrt, sieht man von Frühling bis Herbst auf den saftigen Wiesen beiderseits des Weges eine riesige weiße Gänseschar mit rund 100 Tieren weiden. Im Kuhstall mit Auslauf leben rund 130 Milchkühe. Dazu kommen Bullen, rund 300 Kälber und Starken. Eine Mutterkuhherde weidet auf weiter entfernt liegenden Flächen, da diese Tiere nicht täglich gemolken werden müssen. Zum Nutztierbestand gehören weiterhin ca. 600 Biohühner. Sie leben nahe am Hof in biozertifizierten solarbetriebenen Hühnermobilen mit Freigang und legen etwa 400 Eier täglich. Kunden mit Kindern besuchen gerne den großen Schweinepferch, wo eine Kreuzung aus Angler Sattelschweinen und Wildschweinen alljährlich im Frühjahr agile, weiß-braun gestreifte Frischlinge wirft. Futterbau in Form von biologisch erzeugtem Mais, Weizen, Gerste, Klee- und Ackergras versorgt die Tiere mit hofeigenem Futter und ist eine optimale Grundlage für das Wohl der Tiere. Die Ernte einer reichen Palette an Feldfrüchten beginnt im April mit weißem und grünem Biospargel, danach folgen Bio-Frühkartoffeln der Sorten Leyla und Annabelle, gefolgt von Zucchini und Kürbissen. Im Spätsommer werden dann die lagerfähigen Biokartoffeln geerntet.

Das Herzstück der Vermarktung ist der eigene Hofladen, der üblicherweise montags bis samstags von 9 bis 12 Uhr und montags bis freitags von 15 bis 18 Uhr geöffnet ist. Aus eigener Produktion gibt es dort Wurstwaren, Hähnchen-, Enten- und Gänsefleisch, Wildschwein, Reh und Wildschweinwurst, frische Eier, Spargel und Kartoffeln. Dieses Sortiment wird ergänzt durch Gemüse und Obst, Molkereiprodukte und Weine benachbarter Betriebe sowie ein Grundsortiment aus dem Biofachhandel. Regina Aewerdieck steht vor allem in der Spargelzeit gerne selber im Hofladen, da ihr persönliche Gespräche und direkte Kontakte mit Kund:innen wichtig sind. Der Hof profitiert davon, dass Direkt- und Regionalvermarktung bei Kund:innen in den letzten Jahren zunehmend mehr Wertschätzung erfahren. Mittlerweile vermarktet der Hof auch über einen Stand auf dem Brink und in einigen Edeka-Märkten Lübecks.

Um der enormen Erosion von Pflanzenarten, Insekten, Vögeln und anderen Wildtieren in der Feldflur zu begegnen, setzt der Bereich Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutz auf Lübecker Pachtflächen biotopfördernde Maßnahmen um, so auch auf Pachtflächen des Biohofs Falkenhusen. Anpflanzungen von alten regionalen Obstsorten, Wildobst, Weiden und Knicksträuchern machen aus der Feldflur „nahrhafte Landschaften“. Zusammen mit flächenhaft biologisch bewirtschafteten Nutzflächen sind sie eine optimale Investition für mehr biologische Vielfalt und ein intaktes, stabiles Ökosystem in der sonst artenarmen Feldflur. Diese und andere Zusammenhänge erläutern die Betriebsinhaber gerne auf Anfrage im Rahmen von Hofführungen.

Kontakt:
Hof Falkenhusen, Tel. 04509-1054, E-Mail: info@hof-falkenhusen.de, www.hof-falkenhusen.de

 

 

 

9. Nachbarschaft stärken

Die Essbare Stadt nutzt „multifunktionale Grünflächen“ zum Bewegen, Spielen und Feiern und stärkt so Nachbarschaften

Anfang September kommt Bewegung in die Siedlung Dornbreite: Die Mitglieder der Interessengemeinschaft (IG) Dornbreite e.V., einer Siedlergemeinschaft, werden aktiv, denn das Humboldtwiesenfest steht vor der Tür. Zahlreiche Ehrenamtliche helfen mit, wenn mit viel Engagement das große Fest für Kinder und Erwachsene vorbereitet wird. Mittlerweile kommen Besucher:innen aus ganz Lübeck zu der Veranstaltung. Anwohner:innen, Förderer und zahlreiche Aktive des Netzwerks Essbare Stadt Lübeck bauen bunte, informative Stände auf. Es gibt Musik, Kinderspiele, Kulinarisches und Führungen zum Mitmachen auf dem jährlich wachsenden Bewegungsparcours und in der Natur mit Aktiven des Vereins Hanse-Obst e.V.

Die Stabsstelle Wissenschaft und der Interessengemeinschaft Dornbreite entwickeln das Gelände an der Dornbreite seit 2012 gemeinsam mit BürgerInnen und einer Vielzahl von Akteuren und Förderern zu einem Bewegungstreffpunkt für die AnwohnerInnen. Im Zentrum steht ein Parcours aus mittlerweile 8 Gerätepärchen, jeweils eines für Jung und Alt nebeneinander, die generationenverbindend zum Spielen und Sport treiben einladen. Die Geräte stehen inmitten eines wunderschönen Naturgeländes, das sich mit Blick auf die 7 Türme Lübecks über die Landgrabenniederung erhebt und inzwischen auch Familien und Naturliebhaber aus anderen Stadtteilen anzieht.

Im Oktober 2014 hat der Bereich Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutz zusammen mit dem Verein Hanse-Obst e.V. begonnen, das Gelände ökologisch aufzuwerten. Der Bewegungstreff ist durch die Anpflanzung von mittlerweile über 30 Obstbäumen und Maßnahmen zur Förderung von regionalen Wildkräutern, Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Tieren zu einem Teil der Essbaren Stadt Lübeck geworden. Menschen und Tiere profitieren in gleicher Weise davon: Der Reichtum an Blüten und Früchten verschönert das Orts- und Landschaftsbild und hat Nahrungsquellen und Nistmöglich-keiten für Wildtiere wesentlich erweitert. Die Kinder der Siedlung sehen die Obstwiese wachsen und können schon in wenigen Jahren die Früchte der Bäume ernten, die sie selbst mit angepflanzt haben – denn die alljährlich stattfindenden Pflanzaktionen erfolgen zusammen mit ihnen, ihren Eltern und Großeltern.

Der Verein Hanse-Obst e.V. führt in Kooperation mit dem Landesverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) auf der Humboldtwiese fortlaufend Veranstaltungen zum Obstbaumschnitt sowie zur Obstbaum- und Wiesenpflege mit der Sense durch. Dabei lässt sich eine Gruppe von Anwohner:innen als „Multiplikatoren“ schulen und kann so Stück für Stück Verantwortung für die Obstbaum- und Wiesenpflege übernehmen. Auf der Humboldtwiese gibt es über das Jahr verteilt auch Kräuterführungen, in denen Wissenswertes über essbare und heilende Pflanzen vermittelt wird. Weitere Veranstaltungen aus interdisziplinären Themenfeldern wie Wissenschaft, Sport und Gesundheitsprävention schaffen immer wieder Raum für Kommunikation und Begegnung und stärken so die Nachbarschaft.

Kontakt:
Friedhelm Anderl, IG Dornbreite, Tel. 0172 – 450 5769, www.igd-dornbreite.de
Susanne Kasimir, Strategische Projektplanung und Fördermittelakquise, Tel. 122 1321, www.wissen-luebeck.de

 

 

 

10. Schöpferisch sein

Die Essbare Stadt öffnet Räume für Kreativität und Schönheit. Sie vermittelt Wissen „nebenbei“ über das lustvolle gemeinsame Tun.

"In einem Garten ging das Paradies verloren, in einem Garten wird es wieder gefunden“ (Sprichwort)

Nach über einem Jahrzehnt Dornröschenschlaf erweckte eine Gruppe von Garten-freunden des Grünen Kreises e.V., einem seit 1957 bestehenden Lübecker Verein, eine gut 400 m² große Parzelle im Tannenweg 109 der Kleingartenanlage Buntekuh auf besondere Art zu neuem Leben: Alles Gewachsene, jedes Wildkraut und jedes spontan gekeimte Gehölz ist auf der Parzelle verblieben und hat in einem stetig sich verändernden Raum eine neue Funktion oder Gestalt angenommen.

Mit vielen schöpferischen Ideen und gründlichen gartenbaulich-handwerklichen Kenntnissen hat die Gruppe der Aktiven ein wunderschönes, gehölzbetontes Gartenparadies mit vielen liebevoll gestalteten Details geschaffen. Totes Geäst wurde zum neuen Lebensraum in Form einer Benjes-Hecke, zum Vogel-Ansitz im frei im Wind kreisenden Flechtring oder zur langfristigen Umwandlung in Nähr- und Huminstoffe in einem Hügelbeet verbaut. Lebendes Gehölz verwandelte sich, in Form gebogen und beschnitten, zum Pflanzentunnel oder dekorativen Flechtwerk. Dazwischen finden sich lichte Nischen für die Kräuterspirale, Gemüsebeete und viele bunte Stauden, die auf sonnigen, halbschattigen und schattigen Standorten das ganze Jahr über ein reiches Nektar- und Nistangebot für Nützlinge im Garten bieten. Lauschige Sitzplätze und eine kleine Gartenlaube laden Gäste zum Verweilen ein.

Das Gartentor öffnet sich von Zeit zu Zeit einladend zu praxisorientierten Workshops und anschaulichen Vorträgen, die Wissen über ökologisches, Ressourcen schonendes, naturverbundenes Gärtnern vermitteln. Darunter gibt es auch Kreativangebote wie Anleitung zur Flechtkunst und handwerkliche Anleitung für Kinder zum Bau von Insekten-Nisthilfen. Das „Paradeis vom Grünen Kreis“ versteht sich darüber hinaus als Kulturgarten, in den regelmäßig zu stimmungsvollen Gartenkonzerten mit Lesungen unter freiem Himmel eingeladen wird. Herzlich willkommen!

Seit vielen Jahren ist der Grüne Kreis e.V. darüber hinaus in ganz Lübeck mit Projekten zur Bereicherung des Stadtgrüns aktiv: Zum Beispiel mit Blumenzwiebel-Pflanzaktionen im öffentlichen Grün, mit Pflanzaktionen in Parks und auf Friedhöfen und neuerdings mit einer Wildblumenwiese im Stadtteil Moisling. Außerdem veranstaltet der Verein seit vielen Jahren regelmäßig gut besuchte und thematisch vielfältige öffentliche Vorträge in den Themenfeldern Gartenkultur und Stadtökologie in der „Gemeinnützigen“ und im Museum für Natur und Umwelt. Vor den Vorträgen bietet der Verein kompetente Beratungen bei Gartenproblemen an. Ergänzt wird das Bildungsangebot durch jahreszeitlich wechselnde Führungen im Lübecker Schulgarten mit seiner besonderen Ausstattung an blühenden Stauden, Wild- und Gartenkräutern sowie einheimischen und fremdländischen Gehölzen.

Der Grüne Kreis e.V. freut sich über neue aktive Mitglieder mit Leidenschaft für lebendiges Grün und den schöpferischen Umgang damit.

Kontakt:
Gundel Granow, Tel. 04533-8535, E-Mail: gundel.granow@googlemail.com, www.gruener-kreis-luebck.de

 

 

11. Sortenvielfalt erhalten

Die Essbare Stadt Lübeck fördert die Weitervermehrung regionaler und historischer Gemüsesorten und erhält so die genetische Vielfalt.

Seit 20 Jahren betreibt Sabine Schwardt in der Schleusenstraße in Niederbüssau mit Leidenschaft den Kräuterhof Lübeck in einer Selbstversorgersiedlung der 1930er Jahre, in der Gartenkultur und Obstbau eine lange Tradition haben. Der Kräuterhof besteht aus einem hausnahen und einem landschaftlich geprägten Teilstück. Der ca. 800 m² große Bereich am Wohnhaus, der zu bestimmten Anlässen auch geöffnet wird, ist stimmungsvoll als Themengarten der vier Elemente mit mehreren einladenden Sitzbereichen zum Verweilen ausgestattet. Ein streng formaler Seerosenteich, ein Teich mit naturbelassener Uferzone und ein Quellstein, eingelassen in ein großzügiges Holzdeck, repräsentieren das Element Wasser. Mit einem luftigen Freisitz und einer warmen Feuerecke erzeugt die Inhaberin durch kluge Farb-, Pflanzen- und Materialwahl verschiedenste Aufenthaltsqualitäten auf beschränktem Raum. Eingebettet in eine lebendige Kulisse aus einheimischen und mediterranen Sträuchern sind in einem malerischen Rosen- und Staudengarten und einem erdigen Kräutergarten eine Fülle von Düften, Farben und Formen zu bestaunen. In diesem Teil des Kräuterhofs zeigt die Inhaberin, wie Urban Gardening für hohe gestalterische Ansprüche aussehen kann. In dekorativen Holz-, Keramik- und Steinbehältern wachsen und gedeihen über 50 Kräuter- und Gemüseraritäten. Die Nutzpflanzenproduktion fügt sich sehr harmonisch in den Elementegarten ein.

Ein zweiter Produktionsschwerpunkt ist der 1000 m² große Teil des Kräuterhofs jenseits der Schleusenstraße hinter der dortigen Häuserzeile. Hier befinden sich mehrere Hochbeete für Zucht und Anbau ausgefallener Salat-, Erbsen-, Bohnen- und Kohl- und Kartoffelsorten, bunter Mangold und vieles mehr. Inmitten der Kräuterbeete gedeihen viele Wildpflanzen, denn Sabine Schwardt gärtnert konsequent biologisch und schätzt die Vielzahl an Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen und anderen Insekten, die als Nützlinge eine wichtige stabilisierende Funktion für die Pflanzenproduktion haben. Sie toleriert dazu bestimmte Wildkräuter in den Beeten und fördert gezielt blühende Wildstauden wie die stattliche Wilde Karde oder alte, essbare Nutzstauden wie beispielsweise den auch bei Insekten beliebten Alant.

In dem großen Wintergarten am Haus betreibt die Inhaberin ab Februar die Anzucht und Weiterverbreitung von Jungpflanzen aus eigenem Saatgut. Sie ist spezialisiert auf bestens an das hiesige Klima angepasste, regionale und historische Gemüsesorten, die sie bei verschiedenen Pflanzenmärkten oder nach eigenen Veranstaltungen zum Verkauf anbietet. Bei ihr gibt es wirklich ausgefallene, robuste Gemüsesorten, wie beispielsweise den immergrünen Helgoländer Klippenkohl, Heinrichs Riesenbohnen, Fingerkartoffeln oder die Tomate „Hamburger Platte“. Die ausgebildete Kräuterfrau versteht es, daraus wohlschmeckende Tees und Kräutermischungen sowie heilsame Salben, Tinkturen und Kräuteröle herzustellen. Sie arbeitet auch als Kräutertherapeutin und heilt mit Pflanzen. Bestens vertraut ist sie mit der Verwendung der historischen Gemüsesorten und essbaren Kräuter in der Küche: In ihrem Gartenhaus, das bei Bedarf auch als „Hofcafé“ dient, finden regelmäßig Kurse statt, in denen die Teilnehmer:innen unter ihrer kundigen Anleitung aus vor Ort geernteten Zutaten leckere und ungewöhnliche Kreationen herstellen, die anschließend verkostet werden. Auch hier kann man „gesund genießen“.

Kontakt:
Sabine Schwardt, Tel. 0451 – 56170, E-Mail: kraeuterhof_luebeck@web.de.

 

 

12. Kinder begeistern

Die Essbare Stadt begeistert Kinder spielerisch und erlebnisorientiert für die Natur und alles, was darin lebt

„Ich hörte und vergaß, ich sah und erinnerte mich, ich tat und verstand ...“ (Konfuzius)

Spiel, Spaß und Bewegung in der frischen Luft – das ist das Motto, unter dem der gelernte Obstpädagoge Ulrich Praedel Obst-Biotope für Kinder zum Abenteuer- und Lernort werden lässt. Der praktisch versierte Naturkenner ist im Verein Hanse-Obst e.V. aktiv und nimmt Kindergruppen aus Schulen und Kitas kompetent und einfühlsam mit auf Entdeckungs- und Erlebnisreisen mit allen Sinnen. In einer Schlutuper Kleingartenanlage gestaltet er im Rahmen seiner obstpädagogischen Angebote Stück für Stück einen Kleingarten zusammen mit Kindergruppen zum naturnahen Obstbiotop und Naschgarten um.

In den vergangen Jahren ist hier bereits eine bunte Wildblumenwiese als Nist- und Nahrungsraum für Wildbienen und andere Insekten entstanden. In den mit Kindern bepflanzten Gemüsebeeten wachsen Radieschen, Gurken, Tomaten, Kürbisse und Blattsalate. In der Kräuterorgel lernen Kinder verschiedene Kräutersorten kennen, die sie im Laufe des Jahres auch ernten, verkosten und zusammen mit essbaren Blüten aus der Blumenwiese und frisch geerntetem Gemüse zu leckeren Salaten verarbeiten dürfen. So einen selbst gemachten bunten Blütensalat haben viele Kinder noch nie gesehen. Er bringt große Kinderaugen zum Staunen und natürlich schmeckt er – nach spannenden Spielen, getaner Arbeit und selbst zubereitet - doppelt so gut wie zu Hause.

Das Erlebnis von Vielfalt der Formen, Farben und Früchte in freier Natur sensibilisiert Sinne und Geschmacksnerven der Kinder. Die Erfahrung von eigenem Tun beim Pflanzen, Pflegen, Ernten und Verarbeiten vitaminreicher und biologisch angebauter Lebensmittel im Jahresverlauf stärkt vielfältige eigene Kompetenzen. Neben dem Kennenlernen der notwenigen Kulturmaßnahmen lernen die Kinder hier gesundes Essen zubereiten, zu kooperieren, Tiere und Pflanzen als gleichberechtigte Geschöpfe zu respektieren, zu beobachten und gezielt zu fördern. In der Schönheit der Natur kommen auch die wildesten Kinder für Augenblicke zur Ruhe. Traumatisierte Kinder erleben unbeschwerte Momente des Glücks.

Ulrich Praedel vermittelt in seinen Kursen auch handwerkliche Fähigkeiten: Die Kinder lernen unter Anleitung den Umgang mit verschiedenen Werkzeugen und Geräten beim Bau von Nistkästen für Vögel und Fledermäuse, bei der Gestaltung einfacher Nisthilfen für Wildbienen, beim Schnitzen oder beim Weiden flechten. Die selbstgebauten Objekte wecken den Stolz der Nachwuchsbaumeister:innen. Im Schlutuper Apfelgarten hat Ulrich Praedel auch ein Prototyp eines „Naschgartens“ mit Benjes-Hecke, Kräutern, Beeren und kleinen Obstgehölzen konzipiert, der als „Lehrbiotop“ kopiert und entweder an Schulen oder im eigenen Hausgarten nachgebaut werden kann.

Als Lernorte für seine obstpädagogischen Kurse nutzt Ulrich Praedel weitere umgewidmete Standorte in Kleingartenanlagen, z.B. in der Kleingartenanlage Neuhof, wo ein Kleingarten für obstpädagogische Kurse für die Nachmittagsbetreuung der Gotthard-Kühl-Schule zur Verfügung steht. Auch der Interkulturelle Treff Moislinger Baum und andere Obstwiesen inmitten der Natur werden im Rahmen von Ausflügen zusammen mit den Kindergruppen besucht.

Kontakt:
Ulrich Pradel, Obstpädagoge, Tel. 0176- 315 299 68, E-Mail: ulpcom@web.d

 

 

 

Die Projekte der Essbaren Stadt Lübeck - Übersichtskarte

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Schätze am Wegesrand - Veranstaltungen 2020

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