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Nachsorgender Bodenschutz

Altlasten, Altablagerungen und Altstandorte

Nachsorgender Bodenschutz bedeutet, Maßnahmen zu ergreifen, die einen belasteten Boden sanieren. Da es sich oft um Belastungen aus früheren Nutzungen handelt, spricht man allgemein auch von Altlastensanierung.

Altlasten lassen sich systematisch in Altablagerungen und kontaminierte Standorte: Altstandorte einteilen.

Die Entstehung altlastenverdächtiger Flächen ist in Lübeck eng mit der Industrialisierung seit Mitte/Ende des 19. Jahr- hunderts verknüpft. Oftmals wurden umwelt- und gesundheitsgefährdende Stoffe ohne Beschränkungen hergestellt, benutzt, gelagert oder entsorgt. Seinerzeit wurde die Gefährlichkeit vieler Stoffe nicht ernstgenommen oder ihre Toxi- zität war nicht bekannt. Auch besondere Vorkommnisse in den beiden Weltkriegen, wie auch Unfälle und Havarien sind dabei nicht außer Acht zu lassen.

Bild: Altablagerung: Deponie in der Geniner Dorfstraße in den 1960er Jahren


 

Altablagerungen

Zu den Altablagerungen zählen Standorte stillgelegter Abfallbeseitigungsanlagen sowie sonstige Grundstücke, auf denen Abfälle behandelt, gelagert oder abgelagert worden sind. Bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts war es üblich, die entstandenen Abfälle meist ohne große Berücksichtigung der Auswirkungen auf die Umweltmedien auf günstige Art und Weise zu entsorgen: Abkippen von Hausmüll, hausmüllähnlichen Gewerbeabfällen und produktionsspezifischen Abfällen in Gruben, auf Halden oder zur Auffüllung von Geländesenken zur Landschaftsgestaltung (z.B. die „Deponie Lohmühle“). Diese Ablagerungen fanden nicht wie unter den heutigen üblichen hohen Sicherheitsstandards auf Deponien statt, weswegen meistens weder Basis- noch Oberflächenabdichtungen vorhanden sind. Dabei ist meist eine ungeordnete Ansammlung von Abfällen mit weitgehend unbekannter Zusammensetzung entstanden.

In Lübeck sind derzeit über 100 Altablagerungen bekannt. Die größten Altablagerungen in Lübeck sind z.B. die Altablagerungen „Geniner Dorfstraße“, „Gärtnergasse“, „Deponie Lohmühle“ und „Finkenberg“. Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Altablagerungen abschließend erkundet, gesichert oder befinden sich in der Überwachung, so dass eine Gefährdung der Umwelt weitestgehend ausgeschlossen werden kann.

Die folgenden Luftbilder zeigen exemplarisch die Entwicklung der Deponie Lohmühle. In der ersten Aufnahme aus dem Jahr 1961 ist die Ausdehnung der Deponiefläche deutlich erkennbar. Die zweite Aufnahme, aus dem Jahr 2019, zeigt wie die ehemalige Deponiefläche vielfältig durch Sportflächen, Parkplätze und schulische Einrichtungen überbaut wurde. Im Jahre 1999 wurde eine gutachterliche Gefährdungsabschätzung erstellt und seit 1996 wird das Grundwasser in regelmäßigen Abständen untersucht und bewertet. Baumaßnahmen wie z.B. der Bau der Struckbachhalle oder der Emil-Possehl-Schule, werden im Vorwege mit der unteren Bodenschutzbehörde abgestimmt, um eine baubedingte Gefährdung des Menschen oder Grundwassers auszuschließen.

Es gibt zudem diverse kleinere, sogenannte „Bürgermeisterkippen“ (wilde Müllkippen). Häufig wurden auch Teiche und Abgrabungen wie Kies- und Tongruben mit Abfällen verfüllt. Da man früher erheblich geringere Einschränkungen und Schutzmaßnahmen für die Deponierung von Abfällen traf, wurden die größeren Altablagerungen von der unteren Bodenschutzbehörde detailliert auf Umweltauswirkungen untersucht und werden teilweise fortlaufend kontrolliert. Schadstoffbelastete Deponiesickerwässer können das Grundwasser verunreinigen, fehlende Abdeckungen können Gefahren für die menschliche Gesundheit hervorrufen und explosive Deponiegase wie Methan können in gefährlichen Konzentrationen auch jenseits der Deponiegrenzen austreten. Um eine Gefährdung der Umwelt und der Allgemeinheit durch Altablagerungen, auszuschließen, werden diese durch regelmäßige Untersuchungskampagnen überwacht. In einigen Fällen sind auch spezielle Sicherungsmaßnahmen, wie z. B. eine Bodenluft-Absaugung erforderlich.

 

 

Altstandorte

Flächen ehemaliger und auch aktueller umweltrelevanter Industrie- oder Gewerbestandorte, wie sie zahlreich z. B. in den historisch gewachsenen Gewerbegebieten in Kücknitz und Genin sowie den Hafenbereichen vorhanden sind, werden als Altstandorte bezeichnet. Nach §2 BBodSchG handelt es sich bei Altstandorten um „Grundstücke stillgelegter Anlagen und sonstige Grundstücke, auf denen mit umweltgefährdenden Stoffen umgegangen worden ist“. Dies umfasst Standorte von der Holzimprägnierung über das Tanklager bis zum Hochofenwerk.

Bodenkontamination
mit Teer- und Mineralölen

Dummy-Bildbeschreibung

Lagerung von kontaminiertem Boden
bei einer Sanierungsmaßnahme

Mineralölverunreinigung
durch alten Öltank

In Lübeck sind derzeit ca. 1.400 Standorte bekannt, auf denen eine altlastenrelevante Nutzung stattgefunden hat oder noch stattfindet (sogenannte „aktuelle Betriebe“). Davon konnten bisher rund 1.000 Standorte durch Recherchen und/oder Untersuchungen sowie Sanierungs- und Sicherungsmaßnahmen als „verdachtsentkräftet“ eingestuft werden Dies bedeutet, dass von diesen Standorten unter den gegebenen Bedingungen und für die aktuelle Nutzung keine Gefährdung ausgeht. Für die anderen ca. 400 Standorte ist eine schädliche Untergrundverunreinigung wahrscheinlich oder bereits nachgewiesen, sodass hier ein weiterer Handlungsbedarf erforderlich ist.

 

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