Das Gründungsviertel

Einmalige Chance der Entwicklung eines innerstädtischen Wohnquartiers

Auf dem Areal des im 2. Weltkrieg stark zerstörten ältesten Kaufmannsviertels der Lübecker Altstadt entsteht westlich der St. Marienkirche auf 38 städtischen Grundstücksparzellen unterschiedlichster Größe ein zukunftsweisendes lebendiges Quartier mit individuellem Wohnen und Arbeiten.

Mit seiner Dichte, seinem Straßenverlauf, der Aufnahme der historischen Baufluchten und einer giebelständigen Bebauung sowie mit einer gemischten Nutzung orientiert sich das Stadtquartier an dem historischen Vorbild und trägt zur Weiterentwicklung der Altstadt bei.

 

Aktuelles

  • 19.02.2024 | Aktuell erfolgt die Ausschreibung zum Verkauf des Wohnhauses Braunstraße 14 im Gründungsviertel. Konkrete Informationen zur Bewerbung und zum Angebotsverfahren sind in der Rubrik Die Grundstücke eingestellt.
  • 13.09.2023 | In Kürze erfolgt die Ausschreibung zum Verkauf des Wohnhauses Braunstraße 14 sowie zu drei Einfamilienhausgrundstücken im Gründungsviertel. Konkrete Informationen werden zu gegebener Zeit in der Rubrik Die Grundstücke eingestellt.
  • 31.07.2023 | Aktualisierung Webseite
    Die Inhalte der externen Webseite zum Gründungsviertel wurden aktualisiert und sind auf die städtische Webseite überführt worden.

 

 

Das Projekt

Urbane Vielfalt im Herzen der Altstadt
Das Gründungsviertel liegt im westlichen Teil der Altstadtinsel zwischen der Marienkirche und dem Uferbereich der Stadttrave. Es ist eine der historischen Keimzellen Lübecks und deshalb von herausragender Bedeutung für die Stadt. Im Zweiten Weltkrieg durch einen Bombenangriff stark zerstört, wurde das einst prächtige Kaufmannsviertel in den 1950er Jahren abweichend von der historischen Struktur mit zwei großen Einzelgebäuden für berufsbildende Schulen und einem öffentlichen Parkplatz bebaut. Die Verlagerung dieser Schulen und die Finanzierung der archäologischen Grabungen im Gründungsviertel aus dem Bundes-Investitionsprogramm „Nationale UNESCO-Welterbestätten“ ab 2009 machten es möglich, dass das Gründungsviertel im Sinne einer kritischen Rekonstruktion der jahrhundertealten Stadtstruktur neugestaltet werden kann.

Das neue Gründungsviertel
Der Neuaufbau in Form eines modernen Wohnquartiers ist ein wohl einmaliges städtebauliches Projekt auf der Lübecker Altstadtinsel. Auf dem rund 10.000 Quadratmeter großen Areal entsteht auf 38 Grundstückparzellen unterschiedlicher Größe in zwei Baublöcken ein zukunftsweisendes, lebendiges Quartier mit individuellen Wohnformen und ergänzenden Nutzungen. In seiner Parzellenstruktur und Dichte, der Aufnahme der historischen Baufluchten, einer Bebauung mit giebelständigen Stadthäusern in zeitgemäßer Architektur und der gemischten Nutzung orientiert sich das neue Wohnquartier Gründungsviertel dabei am historischen Vorbild in zeitgemäßem Kontext. Mit dem Neubau von bis zu 170 Wohnungen und Läden oder Büros in Teilen der Erdgeschosse auf einer Bruttogeschossfläche von insgesamt bis zu 22.000 m² wird urbanes Leben zurückgewonnen und die Lübecker Altstadt als Wohnstandort gestärkt.

Raum für unterschiedlichste Lebens- und Wohnformen und gemischte Nutzungen
Das Gründungsviertel bietet Platz für 38 einzelne Bauherr:innen und viele verschiedene Lebens- und Wohnformen und soll ein Ort sozialer und kultureller Vielfalt sein. Daher wurde das Ziel formuliert, neuen Wohnraum für Mehrgenerationenwohnprojekte und andere Baugemeinschaften sowie für Familien mit Kindern in besonderer Weise zu fördern. Für diese Zielgruppen sind im Gründungsviertel ausgewählte Grundstücke zum Festpreis reserviert, während auf anderen Grundstücken auch andere Formen von Wohnen in Miet- und Eigentumswohnungen angeboten werden. Die Mischung von Wohnen und Arbeiten ist im neuen Gründungsviertel ausdrücklich erwünscht. Die Belebung der Erdgeschosszonen mit öffentlichkeitswirksamen Nutzungen leistet einen wichtigen Beitrag für ein lebendiges Quartier.

Fakten zum Gründungsviertel 
Grundstücksflächen gesamt ca. 10.000 m2
Grundstücke 38
Bebaute Fläche, inkl. Seitenflügel max. 6.500 m2
Bruttogeschossfläche bis zu 22.000 m2
Anzahl Wohneinheiten 140-170


 

 

Die Grundstücke

Das Gründungsviertel enthält ein breit gefächertes Angebot an Grundstücken unterschiedlicher Größe und Bebaubarkeit. Mit Ausnahme des Grundstückes an der Einhäuschen Querstraße wurden die Grundstücke im Gründungsviertel an einzelne Bauherr:innen oder Baugemeinschaften veräußert. Auf dem Grundstück Einhäuschen Querstraße mit einer Größe von ca. 1.200 m2 werden durch W+S Immobilien aus Hamburg eine Quartierstiefgarage und darüber überwiegend Miet- und Eigentumswohnungen errichtet.

Im Gründungsviertel sind fast alle Grundstücke verkauft, werden bebaut oder sind bereits bezogen. Die öffentliche Ausschreibung der noch freien Grundstücke sowie die Ausschreibung des vollständig umgebauten und umgestalteten sowie energetisch ertüchtigten Bestandsgebäudes in der Braunstraße 14 erfolgt zu gegebener Zeit hier.

 

Bewerbung

Hier erhalten Sie weitere Informationen, wenn die Bewerbungsphase für die noch ausstehenden Grundstücke startet.

 

 

Angebotsverfahren Braunstraße 14

 

Das Angebotsverfahren zur Braunstraße 14 ist am 19.02.2024 gestartet. Das Mindestgebot beträgt 437.033 EUR. Es wird um eine schriftliche Kaufbewerbung unter Angabe des Kaufgebotes bis zum 03.04.2024 gebeten. 

Das Grundstücksblatt bietet einen Überblick zu den Eckdaten des Objekts. Die vollständigen Unterlagen mit allen weiteren Informationen zum Objekt, zu den Besichtigungsterminen und die Bewerbungsunterlagen finden Sie in den Bekanntmachungen.

 

 

 

Alle wichtigen Informationen auf einen Blick

 

Eigentum und Verkauf

Eigentümerin der  noch freien und anhandgegebenen Grundstücksflächen im neuen Gründungsviertel ist die Hansestadt Lübeck.

 

 

Planungsrechtliche Situation

Die Grundstücke liegen im Geltungsbereich des rechtskräftigen Bebauungsplanes 01.19.00 - Gründungsviertel. Dieser weist für die städtebauliche Neuordnung und Entwicklung des Gründungsviertels ein allgemeines Wohngebiet (WA) aus und lässt neben dem Wohnen nur ausgewählte ergänzende Nutzungen zu. Der Bebauungsplan kann bei der Hansestadt Lübeck und digital auf der Smart City Plattform - Geoportal Lübeck eingesehen werden. Darüber hinaus ist er unter Downloads verfügbar.

 

 

Ver- und Entsorgung

Im Zusammenhang mit der Neubebauung auf den Grundstücken wurden vorab alle Versorgungsleitungen in den Straßen des Quartiers erneuert und das Schmutz- und Regenwasserleitungsnetz von einem Mischsystem auf Trennsystem umgestellt. Zur Bebauung der Grundstücke sind sämtliche Anschlussleitungen für die Energie- und Trinkwasserversorgung, die Entwässerung sowie für die Telekommunikation in den jeweiligen Straßenbereichen verfügbar. 

 

 

Energieversorgung

Die Wärmeversorgung aller Gebäude im Gründungsviertel leistet ein Blockheizkraftwerk (BHKW), das seinen Standort am westlichen Blockende in den Kellergeschossen der Fischstraße 25 hat. Über ein Nahwärmenetz, das teilweise im rückwärtigen Bereich der Grundstücke liegt, wird das Gründungsviertel so umweltfreundlich und effizient versorgt. Um den wirtschaftlichen Betrieb des Blockheizkraftwerkes zu gewährleisten, müssen alle Grundstücke bzw. Neubauten an das Nahwärmenetz angeschlossen werden. Mit dem Versorgungsunternehmen ist ein Nahwärmeanschluss- und Wärmelieferungsvertrag abzuschließen. 

 

 

Topographie

Die Altstadtinsel fällt vom zentralen Rücken (Nord-Süd- Achse Breite Straße) zu den Rändern der Altstadtinsel hin deutlich ab. So weist auch das Gründungsviertel eine Höhendifferenz von 4 bis 5 Metern von der Straße Schüsselbuden bis zum westlichen Altstadtrand an der Trave auf. Das Gründungsviertel liegt nicht in einem potentiell überschwemmungsgefährdeten Gebiet, so dass keine besonderen baulichen Maßnahmen für den Fall höherer Fluten vorgeschrieben sind.

 

 

Kampfmittel

Auf den Grundstücken ist das Vorhandensein von Kampfmitteln aus dem 2. Weltkrieg nicht sicher auszuschließen. Im Rahmen der archäologischen Grabungen sind bereits erste Erkundungen zu Kampfmitteln durchgeführt worden.

 

 

Baureifmachung und Gründung

Die Grundstücke werden baureif übergeben. Neben einer Abfangung der jeweiligen Straßenabschnitte durch Verbau sind für sämtliche Gebäude die Kellersohlen durch die Hansestadt Lübeck erstellt worden. Diese werden mitveräußert. Dieses Vorgehen erleichtert den individuellen und zeitlich versetzten Bau der einzelnen Häuser. Die Kosten für die Herstellung der Sohlen tragen die Grundstückserwerber, sie sind zusätzlich zum Kaufpreis des Grundstücks vor Übergabe zu entrichten.

 

 

 

 

 

Planung und Gestaltung

 

Die Wettbewerbe

Zur Sicherstellung einer hohen städtebaulichen und architektonischen Qualität gab es umfangreiche Beteiligungsverfahren. Der Lübecker Gestaltungs- und Welterbebeirat wird kontinuierlich in die Planungsüberlegungen eingebunden. Das ArchitekturForumLübeck e.V. hat die Diskussion mit Erfahrungsberichten zu ähnlichen Projekten in anderen Städten bereichert. Von der Verwaltung wurde unter Berücksichtigung der Beteiligungen ein städtebauliches Konzept als Rahmenplan erarbeitet, das in zahlreichen Arbeitssitzungen zusammen mit dem Gestaltungs- und Welterbebeirat, einem Expertengremium und der Politik diskutiert, modifiziert und konkretisiert wurde.

Der europaweit ausgeschriebene Ideenwettbewerb zur Fassadengestaltung sowie ein Realisierungswettbewerb für das Grundstück an der Einhäuschen Querstraße sollen eine qualitätvolle Architektur gewährleisten.

 

Ideenwettbewerb zur Fassadengestaltung

Über 130 Architekturbüros haben sich mit ihren Entwürfen für drei unterschiedliche Musterhäuser an dem Anfang 2015 ausgelobten Wettbewerb zur Fassadengestaltung im Gründungsviertel beteiligt. Die Preisgerichtsjury hat acht Preise und sechs Anerkennungen vergeben. Alle prämierten Entwürfe sind in der Broschüre „Lübeck gründet auf kreativer Qualität von Europas Architekten – Der Wettbewerb“ dokumentiert.

Die Erwerber werden ausdrücklich ermuntert, einen preisgekrönten Architekten oder eine Architektin zu beauftragen und einen prämierten Entwurf umzusetzen. Nicht zulässig ist es, Arbeiten zu kopieren und von anderen Architekten planen und bauen zu lassen. Eine Broschüre zum Wettbewerb ist unter Downloads verfügbar.

Preisträger:innen

Anerkennungen

 

 

Realisierungswettbewerb "Einhäuschen Querstraße"

Gegenstand des Wettbewerbs war die Planung einer Wohnbebauung mit Tiefgarage auf dem Grundstück „Einhäuschen Querstraße“ im Entwicklungsbereich Gründungsviertel im UNESCO Welterbe „Lübecker Altstadt“ durch W&S Immobilien GmbH, Hamburg.

Am Standort sollten Wohnungen für unterschiedliche Bevölkerungsschichten und Nutzergruppen im Mietwohnungsbau mit gewerblichen Nutzungen in den Erdgeschossbereichen sowie einer Quartierstiefgarage entworfen werden. Die Bearbeitung der Aufgabe erfolgte in Form eines einstufigen nichtoffenen beschränkten Realisierungswettbewerbs.

Es wurden 12 Architekturbüros von der Ausloberin eingeladen. Acht der teilnehmenden ArchitektInnen sind PreisträgerInnen des von der Hansestadt Lübeck ausgelobten Ideenwettbewerbs zur Fassadengestaltung des Gründungsviertels, weitere vier Büros wurden von der Ausloberin zur Teilnahme ausgewählt. Am 24.03.2017 fand zum Realisierungswettbewerb „Einhäuschen Querstraße“ die Preisgerichtssitzung in der Lübecker Handwerkskammer statt.

Die Preisträger:innen 

 

 

 

Der Gestaltungsleitfaden

Der Gestaltungsleitfaden soll denen, die mit dem Planen und Bauen im Gründungsviertel befasst sind, helfen, den Ort und das gemeinsame Ziel zu verstehen, die richtigen Entscheidungen zu treffen und so ihren Beitrag zum Gelingen dieses großen und engagierten Projektes beizutragen.

Er ist das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung von Fachleuten und engagierten Bürger:innen mit dem baulichen Erbe des Ortes und der Stadt und soll die Gedanken, die zu den rechtlichen Festsetzungen im Bebauungsplan geführt haben, darstellen und verständlich machen.

Darüber hinaus soll er denjenigen, die teilhaben wollen an der einzigartigen Aufgabe, das Gründungsviertel entstehen zu lassen, die architektonischen Rahmenbedingungen bis ins Detail erläutern und Lust machen, im vorgegebenen Rahmen Häuser von besonderer Qualität entstehen zu lassen. Häuser, die auf den 38 historischen Parzellen stehen und von denen jedes auf seine eigene Art die Geschichte aufnimmt, sie in zeitgenössischen Formen neu interpretiert und dennoch mit seinen zukünftigen wie den vorhandenen Nachbar:innen harmoniert und zu einer unverwechselbaren Einheit verschmilzt.

Der Leitfaden enthält die gestalterischen Grundsätze, ohne deren Beachtung die angestrebte architektonische und städtebauliche Qualität nicht erreicht werden kann. Nur unter diesen Bedingungen kann ein Quartier entstehen, dass für die Bewohner:innen ein hohes Maß an Identifikation besitzt, dem Ort und seiner Geschichte angemessen ist und dem Besucher:innen zeigt, dass es auch heute noch möglich sein kann, ein Stück Stadt herzustellen, das sich auch langfristig mit dem umgebenden Welterbe messen kann. Der Gestaltungsleitfaden ist unter Downloads verfügbar.

 

 

Der Bebauungsplan

Die Inhalte des „Rahmenplans Gründungsviertel“ wurden durch ein Bauleitplanverfahren in geltendes Baurecht überführt. Der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan "01.19.00 - Gründungsviertel" ist im September 2015 durch die Bürgerschaft der Hansestadt Lübeck gefasst worden. Der Bebauungsplan sieht für die zu veräußernden Grundstücke ein Allgemeines Wohngebiet (WA) vor. Der rechtskräftige Bebauungsplan kann bei der Hansestadt Lübeck eingesehen werden. Der Bebauungsplan ist unter Downloads zu finden.

 

 

Der Rahmenplan

Unter Berücksichtigung der umfangreichen Beteiligungen wurde von der Verwaltung ein städtebauliches Konzept als Rahmen erarbeitet, der in zahlreichen Arbeitssitzungen mit Welterbe- und Gestaltungsbeirat, Expertengremium und Politik diskutiert, modifiziert und konkretisiert wurde. Die geplante Neubebauung des Gründungsviertels auf historischen Parzellen, die bis zur Zerstörung dieses Quartiers im 2. Weltkrieg Bestand hatten, soll im Sinne einer Kritischen Rekonstruktion des historischen Stadtgrundrisses erfolgen.

Der „Rahmenplan Gründungsviertel“ greift die historischen Straßenfluchten und die differenzierte Parzellenstruktur der mittelalterlichen Lübecker Altstadt mit deren unterschiedlichen First- und Traufhöhen auf. Dieses gewährleistet Maßstäblichkeit und Vielfalt in Anlehnung an die bestehende historische Stadtstruktur. Eine geschlossene Straßenrandbebauung und eine individuelle Bauweise sollen, dem historischen Vorbild entsprechend, ein abwechslungsreiches Stadtbild gewährleisten.

Gründungsviertel Rahmenplan

 

 

 

Die Gründungswerkstatt

Die Hansestadt Lübeck gestaltet gemeinsam mit ihren Bürger:innen ihre Zukunft und setzt dabei auf eine intensive Beteiligungskultur für alle bedeutenden Stadtentwicklungsprozesse. Vor diesem Hintergrund ist auch für die Neuordnung des Gründungsviertels eine frühzeitige, und kontinuierliche öffentliche Beteiligung erfolgt.

In der „Gründungs-Werkstatt“ am 25.02.2012 haben Bürger:innen engagiert ihre Ideen und Vorstellungen für ein neues lebendiges Gründungsviertel in der Lübecker Altstadt eingebracht. Die interessierte Öffentlichkeit ging den Fragen nach, wer und wie im Gründungsviertel gewohnt werden soll, welche Rolle die nachhaltige energetische Versorgung spielen kann und welche Nutzungen im Erdgeschoss möglich sein sollen. Konzeption, Moderation und Dokumentation des Verfahrens lag in den Händen von polis aktiv aus Hamburg. Die Ergebnisse der Gründungswerkstatt lieferten die Grundlage für die weitere Vertiefung der Planung.

Einladung Gründungs-Werkstatt

 

 

 

Geschichte

Vom Mittelalterlichen Kaufmannsviertel zum neuen Stadtquartier

Das Gründungsviertel Lübecks bildete bis zu seiner Zerstörung im Jahr 1942 ein geschlossenes Häuserensemble. Hier befand sich die Keimzelle der mit Abstand ältesten deutschen Stadt an der Ostsee. Sie gilt als „Prototyp der modernen abendländischen Gründungsstadt“ und als beispielgebend für die späteren Stadtgründungen an der Ostsee.

Hier befand sich das Viertel der hansischen Fernkaufleute und Patrizier. Eine dichte Bebauung von Giebelhäusern und Hofbebauung auf engen Grundstücken prägte das Viertel. Die Straßen, die das Gründungsviertel noch heute erschließen, zählen zu den ältesten Straßen Lübecks.

Lübecks ältester Siedlung auf der Spur

Das bis 1942 erhaltene dichte Bild der Bebauung spiegelte sich im Befund der umfangreichen archäologischen Grabungen. Ein kleiner Teil der historischen Bebauungsreste wird als Kulturdenkmal erhalten und dauerhaft gesichert. Auf den Flächen der ehemaligen Grundstücke Fischstraße 24, 26 und 28 wurden bei den Ausgrabungen fast vollständig erhaltene Keller aus dem 13. Jahrhundert gefunden, die im Zuge der Neubebauung erhalten bleiben, baulich integriert und der Öffentlichkeit zumindest zeitweise zugängig gemacht werden müssen. Auf diese Weise soll die jahrhundertlange Geschichte des Gründungsviertels für seine neuen Bewohner und Besucher erlebbar werden.

 

 

 

 

Archäologie

Slawisch-lübsche Interaktion?

Im Lübecker Gründungsviertel konnten während der letzten Jahre flächig die ältesten Befundlagen in einem Abschnitt an der Braunstraße dokumentiert werden. Unterhalb der ersten nachgewiesenen Kulturschicht, die bereits mit der Frühphase der Stadt Lübeck in Verbindung zu setzen ist, fanden sich neben einem schmalen Graben auch eine annähernd 3 m tiefe Siedlungsgrube sowie ein kleineres Gebäude aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. In dem freigelegten Gräbchen fanden sich nur spätslawische Keramiken während in den oberen Verfüllhorizonten auch wenige „deutsche“ Kugeltopfscherben entsorgt wurden.

Die Grube lag direkt an einem quadratischen, 4,5 x 4,5 m großen Gebäude, das im rückwärtigen Bereich des Grundstücks untersucht wurde. Die Gebäudekonstruktion selbst bestand aus nichtentrindeten Pfosten in Pfostengruben mit Wänden aus senkrecht eingetieften Staken. Größere Mengen verbrannten Lehms mit Rutenabdrücken deuten auf eine Wandverkleidung aus Lehmbewurf hin. Auch im direkten Umfeld des Untersuchungsabschnitts fanden sich ältere Gruben sowie eine verstärke Fundanhäufung von spätslawischen Funden. Bedauerlicherweise bestehen die geborgenen architektonischen Elemente alle aus Weichhölzern und sind somit nicht für eine dendrochronologische Datierung heranzuziehen. Jedoch deutet nicht nur die Lage sondern auch das Fundspektrum auf den Kontakt zwischen slawischen Traditionen und den ab 1143 überlieferten deutschen Siedlungstätigkeiten auf dem Lübecker Stadthügel.

Tiefe Siedlungsgrube, die mit größeren Mengen spätslawischer Keramik verfüllt war

Argentum vivum

Bergung des giftigen Quecksilbers unter Verwendung von Vollschutzanzügen

In einer holzausgesteiften Abfallgrube des 13./14. Jahrhunderts an der Fischstraße wurden mehr als 30 Gramm Quecksilber geborgen. Nach Funden in Haithabu ist dies erst das zweite Mal, dass in Norddeutschland das hochgiftige Metall im archäologischen Befund nachgewiesen werden konnte. Wofür es Verwendung fand, ist momentan noch unklar. Denkbar wäre eine Funktion in der Spiegelherstellung, wie sie beispielsweise aus französischen Schriftquellen des frühen 14. Jahrhunderts bekannt sind. Ein Spiegelmacher selbst ist der Überlieferung nach in Lübeck auch im direkten Umkreis der Fundstelle für die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts belegt. Weiterhin ist im selben Zeitraum ein Apotheker erwähnt, in dessen Arbeitstätigkeit ebenfalls der Umgang mit dem flüssigen Metall fällt.

Auch die Herkunft des Quecksilbers gibt momentan noch weitere Rätsel auf. Neben den bekannten Abbaugebieten in Spanien und Serbien ist auch in Obermoschel (Rheinland-Pfalz) im späten Mittelalter Quecksilber gewonnen worden. Die rheinland-pfälzischen Bergwerke lagen im Einzugsgebiet des Herzogs Johann von Lothringen, Brabant und Limburg. Dieser bewilligt in einem Schreiben unter anderem auch den hansischen Kaufleuten in seinen Landen bestimmte Freiheiten und besondere Zölle. Eine Abschrift dieser Urkunde von 1315 befindet sich im Archiv der Stadt Lübeck. Neben diversen zu verhandelnden Metallen wird hierin explizit von „argentum vivum“ gesprochen.

Komfortzone Seitenflügel

Nach den überaus erfolgreichen Ausgrabungen des Großprojektes im Lübecker Gründungsviertel von 2009 bis 2014 werden momentan im Zuge der Erweiterung des Bebauungsplanes noch einmal vier weitere ehemalige Grundstücke an der oberen Fischstraße für eine Neubebaung archäologisch untersucht. Neu aufgedeckte Befundlagen ergänzen die bisherigen um weitere spannende, unvorhergesehene Ergebnisse, die ein detailliertes Bild der Genese des auch als Kaufleuteviertel bezeichneten Quartiers zeichnen. Im Gegensatz zu den durch die Nachkriegsarbeiten und Schulneubauten der 60er Jahre stark gestörten Nachbarliegenschaften sind im aktuellen Projekt sämtliche Strukturen - sogar des 19. Jahrhunderts - erhalten, so dass nahtlos ein Aufschluss über die Stadtentwicklung vom Gründungsjahr 1143 bis zur Zerstörung von 1942 möglich ist.

Dieses schlägt sich vor allem in mächtigen Stratigraphien von bis zu fünf Meter Stärke nieder, in denen ein für das späte Mittelalter der Stadt nicht häufiger Befund freigelegt werden konnte. Es handelt sich hierbei um eine in einen ebenerdigen und backsteinernen Seitenflügel eingebundene Warmluftheizung. Einige dieser Anlagen sind in Lübeck bisher aus Klöstern und Profanbauten bekannt.

Warmluftheizung des späten Mittelalters mit Heizkanal und Speichersteinen sowie Ansätzen eines Backsteinbogens

Die Existenz des neuen Befundes in einem Nebengebäude stellt schon eine Besonderheit dar. Zudem datiert sie in eine Zeit, als Kachelöfen bereits großenteils Verbreitung und eine Art der Standardwärmequelle gefunden hatten. Diese „traditionelle“ Bauweise aus einem großen, schweren Backsteinkorpus mit eingeschlossenem Heizkanal und Bogenansätzen aus an den Seitenrändern abgefasten Backsteinen erlaubt die vollständige Rekonstruktion: das Feuer im Heizkanal erhitzte die Speichersteine auf den Backsteinbögen. Nach Ausräumen der Glut strömte die warme Luft über Kanäle durch Bodenplatten mit verschließbaren Löchern in ein vor allem für die jüngeren Phasen der Stadtgeschichte als Schlafstätte genutzten Gebäudeteil. Sowohl die Russschwärzung innerhalb des Heizkanals als auch große Mengen an Speichersteinen untermauern die tatsächliche Nutzung des Befundes. Wie lange die Anlage, die vom Vorderhauskeller aus beschickt wurde, in Nutzung war, ist indes nicht exakt zu belegen. Weder aussagekräftige Funde in der Verfüllung noch ein direkter Aufgabebefund waren erhalten. Zumindest belegt die Stratigraphie eines Umbaus des Flügelbaus im 19. Jahrhundert die späteste Außerfunktionstellung der Heizung, die ihrerzeit die „Komfort-Zone“ einer Lübecker Familie deutlich erweiterte.

Wohin mit dem Wasser

Mit Rundhölzern ausgesteifter Graben aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts.

Ein eindrucksvoller Befund wurde im Zuge des ersten abgeschlossenen Grabungsabschnittes an der Braunstraße dokumentiert. Es handelte sich hierbei um eine rund 20m lange, enge Grabenkonstruktion aus dicht aneinander gesetzten Rundhölzern, die durch den anstehenden Ton getrieben, tief im darunterliegenden Sand gründete.

Der dendrochronologisch um 1177 datierte Befund verläuft parallel zu der ersten gesicherten Holzbebauung im Untersuchungsgebiet und diente der Ableitung des vom Stadthügel herunterströmenden Hangwassers sowie des kontrollierten Versickerns der von den umgebenden Gebäuden abfließenden Regenmengen. Er sollte die hölzernen Fundamentierungen der Häuser vor Fäulnis schützen. Mit Beginn des Backsteinbaus bei Profanhäusern verlor der Graben zu Beginn des 13. Jahrhunderts seine Funktion und wurde in einem Zuge verfüllt. Vergleichbare Drainagegräben liegen unter anderem aus Norwegen (Bergen) vor, mit dem Unterschied, dass der Lübecker Befund mehr als 200 Jahre älter ist.

Geschäfte auf zwölf Meter Länge

An der Alfstraße wurde die „wahrscheinlich längste“ Kloake der Hansestadt ergraben. Die in mehreren Segmenten ausgesteifte Bohlenwandkloake wurde auf der gesamten Grundstücksbreite einer Liegenschaft im Herzen der Altstadt erfasst. Zwar ist die Kloake nur etwa mehr als zwei Meter breit, dafür aber elf Meter lang. Sie schloss wie ein massiver Riegel das Grundstück zu den Nachbarn ab und war mit einem gewaltigen Pfostengebäude überbaut, dessen großdimensionierte Substruktionen aus 40cm hohen und 15cm breiten Balken bestand und sie über zwei Meter tief in den Hof eingegrabenen wurden. Es ergibt sich daraus ein infrastrukturelles Quergebäude mit einer Länge von zwölf Meter Breite, einer Raumtiefe von 3,75m und folglich einer Grundfläche von guten 45 Quadratmetern.

Das Fassungsvermögen des Großkloakenkomplexes lag ursprünglich mit rund 35 Kubikmetern ebenfalls in den zur Kloakenbaukonstruktion vergleichbaren lübschen Top Ten. Weitere Vergleichsbeispiele für ein derartig dimensioniertes Quergebäude und vor allem mit einer sich über die volle Grundstücksbreite erstreckenden „Geschäftsstelle“ momentan auf der Grabung noch rar. Der dendrochronologisch auf 1215 datierte Komplex weist jedoch auf ein „besonders großes“ Bedürfnis der Bewohner des Grundstücks in der Straße hin, die nach dem Gründer der Stadt Adolf von Schauenburg benannt ist.

Teil eines zwölf Meter langen Quergebäudekomplexes mit integrierter Bohlenkloake aus der Zeit um 1215

Von Klein zu Groß

Dielenhäuser an der Fischstraße, gestört durch moderne Betonfundamente der ehemaligen Hanse-Schule. Darin Reste der älteren, kleinen Backsteingebäude und noch älterer Holzkeller (hier im linken Bildrand mit Zugangsrampe und Findlingswandungen)

Verschachtelt wie in einer Matrjoschka-Puppe lagen an der Fischstraße Gebäude in Gebäude und erlaubten es, detaillierte architektonische Entwicklungen vom späten 12. bis in an das Ende des 13. Jahrhunderts zu untersuchen. Unterhalb der im zweiten Weltkrieg zerstörten großen mittelalterlichen Dielenhäuser konnten kleinere Backsteingebäude ergraben werden. Diese datieren in das zweite Drittel des 13. Jahrhunderts waren ebenfalls unterkellert und sowohl zur Straße als auch zum Hof mit Treppenanlagen ausgestattet.

Schon bei der Altgrabung auf den nördlich anschließenden Grundstücken konnten ähnliche Baubefunde entdeckt werden, die in Kombination mit den neuen Häusern an eine dicht bebaute, straßenfluchtschließende Architekturlandschaft denken lässt, die gleichermaßen imposant wie auch prestigeträchtig die lübschen Kaufleute und darüber hinaus die Stellung Lübecks als Handelszentrum an der Ostsee repräsentiert haben dürfte. Jedoch waren diese Backsteingebäude nicht die ältesten Häuser, die hier standen. Unterhalb ihrer Kellerfußböden konnten insgesamt zwei Holzkeller ausgegraben werden, welche in die Zeit des späten 12. Jahrhunderts datieren.

Lübecks (bislang) ältester Holzkeller

An der Alfstraße wurde ein äußerst interessanter Gebäudekomplex ausgegraben, der dendrochronologisch auf das Jahr 1166 datiert. Es handelt sich um einen 7 m langen und 4 m breiten Holzkeller in einer bis dato noch nie in Lübeck dokumentierten Konstruktionsweise. Die Schwellen des Kellers bestanden aus hochkant stehenden Schwellbohlen mit Kantenflaz, auf die auf der vollen Breite des Komplexes jeweils nur drei Ständer aufgesteckt wurden.

Die Durchlüftung des Innenraumes wurde durch vier Luftschächte ermöglicht, die bis auf die Höhe des Hofniveaus reichten. Interessanterweise fanden sich über der nahezu vollständig erhalten und in die Verfüllung eingestützten Deckenkonstruktion aus Balken- und Bohlenlagen sogar die Reste der außerhalb der Kellerdecke liegenden Erdgeschossschwellbohlen. Weiterhin konnten noch die Erdgeschosswand der Südseite auf voller Gebäudebreite und einer Länge von bis zu drei Metern ausgegraben werden. Diese ermöglichen erstmals gesichert den Aufbau des Aufgehenden eines so imposanten Gebäudekomplexes aus der Mitte des 12. Jahrhunderts.

Schwellbohlenkeller mit Balken und Bohlen der Erdgeschossdecke sowie vier in den Keller reichenden Luftschächten.

Spuren des Paternostermachers

Paternostermacherperlen von der Braunstraße

Spannende Funde fanden sich im Eckhause Braunstraße 32, die mit einer historischen Persönlichkeit in Lübeck in Verbindung gebracht werden können. Das Grundstück gehörte nach Analyse der schriftlichen Quellen in der Mitte des 14. Jahrhunderts einem Johan Paternostermaker, dessen handwerkliche Abfälle sich in einer über 4 m tiefen Backsteinkloake fanden.

Zu den Funden zählen neben qualitätvollen Keramik- und Glasgefäßen in großer Zahl Bernsteinperlen, die für die Herstellung von Rosenkränzen von dem Paternostermacher verarbeitet wurden. Der von den Stränden der Ostsee stammende Bernstein wurde vom Deutschen Orden an sogenannte Lieger verkauft, die das Rohmaterial an die Paternostermacher veräußerten. Interessanterweise hatten im 14. Jahrhundert nur Brügge und Lübeck das Recht inne, Bernstein zu verarbeiten.

 

 

Kontakt & Downloads

Kontakt

Hansestadt Lübeck
Fachbereich 5 – Planen und Bauen
Mühlendamm 12
23552 Lübeck
gruendungsviertel@luebeck.de

 

 

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