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Verkehrsversuch Fackenburger Allee

Mobilitätswende: Eigene Richtungsspur für Rad- und Linienbusverkehr ab Mai 2022

Klimanotstand und Mobiltätswende sind Themen, die in der Hansestadt Lübeck seit Monaten verstärkt diskutiert werden. Mit einem zukunftsweisenden Verkehrsversuch reagiert die Bauverwaltung jetzt auf die Forderungen zum Klimaschutz und für mehr Lebensqualität. Nach dem Prinzip einer Pop-up-Lane wird in der Krempelsdorfer Allee und Fackenburger Allee, von Friedhofsallee bis Bahnhofsbrücke, versuchsweise der Verkehrsraum neu und fair verteilt. Pro Richtung wird je eine Fahrspur für den Radverkehr und öffentlichen Personennahverkehr ausgeschildert. Damit wird Rad- und Busfahrenden hier Vorrang gewährt. Durch den Wegfall der beidseitigen Radwege entsteht nicht nur mehr Raum für Zufußgehende, sondern auch insgesamt vor den Häusern. Mehr Grün und eine tagsüber beruhigte Parksituation steigern an dieser Stelle die Aufenthaltsqualität in der Straße.

„Das ist ein großer Schritt für unsere Stadt hin zu einer zukunftsgewandten Mobilität“, erklärt Bausenatorin Joanna Hagen. „Die Neuordnung ist eine Chance, allen Verkehrsteilnehmer:innen einen sicheren und komfortablen Verkehrsraum zu gewähren, Lärm zu mindern und unsere beschlossenen Klimaziele zu erreichen.“

Umweltsenator Ludger Hinsen ergänzt: „Die Fackenburger Allee eignet sich besonders für einen Versuch, zumal dort die Probleme von der Lärm- über die Umweltbelastung bis hin zum belästigenden und ordnungswidrigen Parken besonders augenfällig sind. Der Versuch wird uns helfen, dauerhafte Lösungen zu entwickeln.“

Die verkehrlichen Änderungen im Überblick

Der Versuch sieht zur Förderung der Mobilitätswende eine ganzheitliche Neuordnung des Auto-, Fuß- und Radverkehrs vor: 

  • Der motorisierte Individualverkehr wird auf eine von bisher zwei Fahrspuren pro Fahrtrichtung beschränkt.
  • Die jeweils rechte Fahrspur wird als Radfahrstreifen markiert. Per Beschilderung wird auf dieser Spur auch der Linienbusverkehr zugelassen.
  • Das Linksabbiegen ist auf dem gesamten Streckenabschnitt von der Krempelsdorfer Allee / Stockelsdorfer Straße bis zur Bahnhofsbrücke sowie auf einmündenden sogenannten Rippenstraßen untersagt. Ein Linksabbiegen ist nur bei signalisierten Kreuzungen zugelassen. Dadurch werden Rückstaus vermieden, der Verkehrsfluss erhöht.
  • Vorhandene Radwege werden durch Schilder und/oder Piktogramme zusätzlich als Gehwegflächen ausgewiesen, so dass mehr Raum für Zufußgehende entsteht. Gleichzeitig können die neu gewonnenen Flächen dann zum Beispiel für gastronomische Angebote oder zusätzliches Grün genutzt werden.
  • Das Be- und Entladen auf der Fahrbahn oder dem Radfahrstreifen ist untersagt. Ladezonen werden für einen begrenzten Zeitraum geschaffen, um dort ansässige Betriebe zu unterstützen. Das Parken ist hier nur noch nachts erlaubt.

E-Mail-Kontakt für Bürger:innen 

Zur Kontaktaufnahme wird zeitnah die E-Mail-Adresse verkehrsversuch@luebeck.de eingerichtet. Bürger:innen können schon jetzt unter verkehrsversuch@luebeck.de ihre Fragen rund um das Projekt stellen und Auskünfte erhalten.

„Schon im Zuge des laufenden Vorhabens zum Neubau der Bahnhofsbrücke haben wir festgestellt, wie wichtig eine direkte Kommunikation mit allen Betroffenen ist. Mit der Umsetzung des Verkehrsversuchs Fackenburger Allee wollen wir diesen Weg fortsetzen und transparent, regelmäßig und proaktiv über das Vorhaben sprechen. Der Verkehrsversuch ist eine große Chance für Lübeck. Doch nur, wenn wir alle Betroffenen erreichen, kann das Projekt ein Erfolg werden“, so Bausenatorin Hagen.

Hintergrund: Verkehrsversuch Fackenburger Allee

Die Fackenburger Allee ist eine vierspurige Verkehrsstraße und Haupteinfallstor in die Lübecker Innenstadt. Mit zwei Fahrstreifen für jede Richtung weist sie eine hohe Belastung durch Kfz-Verkehr auf. Mit einem Verkehrsversuch von der Krempelsdorfer Allee/ Stockelsdorfer Straße bis hin zur Bahnhofsbrücke soll der Verkehrsraum neu verteilt und insbesondere dem Rad- und Fußverkehr mehr Sicherheit eingeräumt werden. Der Versuch startet voraussichtlich im Mai 2022 und ist zunächst auf eine Laufzeit von sechs Monaten beschränkt. Er kann um weitere sechs Monate verlängert werden. Während und im Anschluss an den Versuch finden umfassende Evaluierungen statt.

Fragen und Antworten

 

Grundlegendes

 

Was ist der Grund für den Versuch?

In zahlreichen Beschlüssen der Bürgerschaft und Aufträgen aus dem Bauausschuss hat sich die Hansestadt Lübeck dazu verpflichtet, die Verkehrswende zu befördern.

 

 

Was ist das Ziel des Versuches?

Mit diesem Versuch soll die Verkehrswende befördert werden, indem die Flächen neu aufgeteilt werden, so dass der Verkehrsverbund gestärkt wird und dem Fußverkehr mehr Platz zur Verfügung steht. Daneben soll beurteilt werden, ob sich der Lärm verringert und die Luft tatsächlich besser wird.

 

 

Kann der Versuch zu einer dauerhaften Lösung werden?

Wird der Versuch insgesamt positiv bewertet, ist eine Überführung in eine dauerhafte Lösung mit entsprechenden baulichen Maßnahmen einzuplanen.

 

 

Warum nur ein Versuch und nicht gleich eine dauerhafte Lösung?

Die Freigabe eines Radstreifens für den Linienbusverkehr ist keine gängige in der StVO vorgesehene Verkehrsführung. Um diese zu testen, ist ein Versuch erforderlich.

 

 

Wer trägt die Kosten für den Versuch?

Es werden Haushaltsmittel aus dem Ansatz für den Radverkehr genutzt.

 

 

Welche Auswirkungen hat der Versuch auf Lärm, Klima, CO2 etc.?

Es ist von einer Reduzierung des Geschwindigkeitsniveaus auszugehen. Dadurch ist mit weniger Verkehrslärm und CO2-Ausstoß zu rechnen. Durch die Vergrößerung des Abstandes der Hauptfahrbahn ist die Lärmbelastung für die dort Wohnenden geringer.

 

 

Warum wird ein solcher Versuch in der Fackenburger Allee durchgeführt (Hauptzufahrt zur Innenstadt) und nicht in einer anderen Straße, die z.B. ein höheres Radverkehrsaufkommen hat?

Auch der Straßenzug, in dem der Versuch durchgeführt wird, hat ein hohes Radverkehrsaufkommen. Alternativ waren auch die Schwartauer Allee oder Ratzeburger Allee angedacht worden. Die Schwartauer Allee/ Landstraße war allerdings schon bei einer früheren Prüfung wegen ihrer durchgehenden Ausweisung als BAB-Bedarfsumleitung abgelehnt worden. Die Ratzeburger Allee ist als erster Bauabschnitt für den Radschnellweg vorgesehen.

 

 

Warum wird der Versuch während der Baustelle Bahnhofsbrücke durchgeführt und nicht unter realen/normalen Bedingungen?

Der Versuch zu dieser Zeit bietet die Chance, ihn bei bereits reduziertem Verkehrsaufkommen durchzuführen. Die dann anzutreffenden Verkehrsverhältnisse könnten dann die „normalen“ werden.

 

 

Welchen Einfluss hat der Verkehrsversuch auf das übrige Verkehrsnetz?

Es ist davon auszugehen, dass es in den Hauptverkehrszeiten durch Verkehrsverlagerungen zu höheren Belastungen mit Kfz kommen wird. Durch die auch an anderen Stellen erforderlichen und vorgesehenen Förderungen des Umweltverbundes kann sich aber auch eine Entlastung des Verkehrsaufkommens des MIV ergeben.

 

 

Kann der Versuch vorzeitig beendet werden? Wenn ja, wodurch?

Liegen klare Sicherheitsbedenken vor, ist ein vorzeitiger Abbruch des Versuchs denkbar.

 

 

 

Verkehrsabwicklung

 

Wie erfolgt die Trennung der Radspur zur Kfz-Spur?

Es wird eine Markierung aufgebracht. Auch wird die Einfärbung des Radstreifens in Erwägung gezogen. Daneben wird es auch Stellen geben, an denen Schwellen als Fahrbahnteiler aufgebracht werden müssen.

 

 

Wie und wo kann ich mit dem Kfz/Fahrrad links abbiegen?

Wegen der durchgezogenen Mittellinie ist ein Linksabbiegen nur an den signalisierten Kreuzungen und Fußgängersignalanlagen (Radverkehr) möglich.

 

 

Wie komme ich in die angrenzenden Quartiere, wenn ich nicht mehr links abbiegen kann?

Das Anfahren zu den angrenzenden Gebieten wird sich sicherlich anders als gewohnt darstellen. Es ist durchaus denkbar, dass auf besonders belasteten neuen Strecken über Nachbesserungen zu befinden ist.

 

 

Ändert sich die maximal zulässige Geschwindigkeit?

Nein, es gilt weiterhin die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h.

 

 

Gibt es Alternativstrecken für Rad- und Kfz-Verkehr?

Im Rahmen des Neubaus der Bahnhofsbrücke sind Alternativstrecken ausgewiesen. Dem Radverkehr steht das gesamte nachgeordnete Straßennetz zur Verfügung. Eine Notwendigkeit einer Ausweisung dieser wird nicht für erforderlich gehalten.

 

 

Welche alternativen Strecken gibt es, um mit dem Auto in die Innenstadt und den dortigen Parkhäusern zu kommen bzw. aus ihr heraus?

Die alternativen Strecken für den motorisierten Individualverkehr werden derzeit durch die Ausweichstrecken für den Neubau der Bahnhofsbrücke ausgeschildert.

 

 

Eine Alternativstrecke ist ggf. die Nordtangente. Werden die Öffnungszeiten der Brücke an die Hauptverkehrszeiten angepasst?

Die planmäßigen Öffnungszeiten der Eric-Warburg-Brücke sind bereits entsprechend angepasst. Schiffe im Berufsverkehr haben allerdings ein Recht auf Sonderöffnungen.

 

 

Was passiert, wenn die eine verbleibende Fahrspur blockiert ist (z.B. durch Unfall)? Darf ich dann auf die Radspur ausweichen?

Im Falle eines Unfalls wird, wenn der Radstreifen nicht betroffen ist, sicherlich von der Polizei ein Vorbeileiten an der Unfallstelle sichergestellt. Ansonsten ist eine Nutzung nicht zulässig.

 

 

 

Parken und Lieferverkehr

 

Wo kann ich mit dem Kfz parken?

Das Parken von Kfz wird dahingehend geregelt, dass es in den tagsüber für das Be- und Entladen ausgewiesenen Abschnitten zugelassen ist.

 

 

Wo kann ich mit dem Kfz liefern?

Zum Liefern werden an den besonders relevanten Stellen im Seitenstreifen Möglichkeiten vorgesehen.

 

 

Kann ich vor der Praxis meines Arztes noch parken?

Geparkt werden darf nur da, wo eine legale Möglichkeit dafür besteht.

 

 

 

Radverkehr

 

Muss ich als Radfahrende den Radfahrstreifen benutzen?

Für den Radstreifen wird eine Beschilderung vorgesehen, die eine Benutzungspflicht nach sich ziehen wird.

 

 

Müssen meine Kinder den Radfahrstreifen benutzen?

Kinder bis zum achten Lebensjahr müssen, bis zum zehnten Lebensjahr dürfen mit dem Rad den Gehweg benutzen.

 

 

Was passiert mit dem alten Radweg?

Die Fläche des Radweges wird dem Gehweg zugeschlagen und bei einer dauerhaften Lösung entsprechend umgebaut.

 

 

Darf ich auf den vorhandenen Radwegen fahren?

Nein, die Radwege werden den Gehwegen zugeschlagen.

 

 

Ich fühle mich auf dem alten Radweg sicherer? Kann ich diesen trotzdem benutzen?

Nein, nur als Kind bzw. als Begleitung eines Kindes.

 

 

Dürfen Radfahrenden nebeneinander fahren?

Das Nebeneinanderfahren von Radfahrenden ist erlaubt.

 

 

Müssen Radfahrende aus den Haltestellen abfahrende Busse vorlassen?

Linienbussen, die eine Busbucht verlassen wollen, ist das Einfahren in den fließenden Verkehr zu ermöglichen.

 

 

Ist der Radstreifen beim Winterdienst der Fahrbahn zumindest gleichgestellt?

Der Radverkehr ist in den letzten Jahren vom Winterdienst stärker priorisiert worden. Auch für den ÖPNV gilt hier klare Regelung, so dass von einer hohen Priorität auszugehen ist.

 

 

 

ÖPNV

 

Müssen Busse des Linienverkehrs auf dem Radstreifen fahren?

Linienbusse dürfen den Radstreifen benutzen, können aber auch auf die allgemeine Fahrspur wechseln.

 

 

Dürfen alle Busse auf dem Radstreifen fahren?

Nur dem Linienbusverkehr ist das Befahren des Radstreifens erlaubt.

 

 

Steht die Nutzung des Radfahrstreifens durch den Busverkehr nicht im Widerspruch zur Beschleunigung des Busverkehrs?

Da sich der Linienbus im Bedarfsfall die Fahrspur auswählen kann, wird das nicht so gesehen.

 

 

Welche Vorteile entstehen für den Umweltverbund?

Dem ÖPNV steht die Wahl zwischen der Nutzung des Radstreifens und der Fahrspur frei. Insofern ist ein Vorankommen gesichert, da bei Staulage des Kfz-Verkehrs auf den Radstreifen ausgewichen werden kann. Darüber hinaus wird an einer Haltestelle die Führung des Radverkehrs hinter der Haltestelle getestet, um auf diese Weise das Halten des Busses am Fahrbahnrand zu ermöglichen, ohne den Radverkehr zu behindern.

 

 

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