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Veröffentlicht am 13.05.2022

Lübecker Industriekunst vor 100 Jahren

Sonderausstellung „Im Auftrag des Werks – im Spiegel der Arbeit“ vom 13. Mai bis 14. August 2022

Ab Freitag, 13. Mai 2022, widmet sich das Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk der Industriekunst vor 100 Jahren, die zumeist als Auftragsarbeit zum Zweck der Selbstdarstellung großer Industriebetriebe zustande kam. Die Sonderausstellung mit dem Titel „Im Auftrag des Werks – im Spiegel der Arbeit. Lübecker Industriekunst vor 100 Jahren“ stellt dabei vor allem vierzehn Radierungen des Industriekünstlers Dirk van Hees in den Mittelpunkt, die dieser anlässlich des 25. Jubiläums des Hochofenwerks angefertigt hat. Die Ausstellung wird bis zum 14. August zu sehen sein. Sie wurde vom Verein für Lübecker Industrie- und Arbeiterkultur sowohl finanziell als auch durch Leihgaben unterstützt.

Bei Dirk van Hees handelt sich um einen eher unbekannten, wenn auch begabten Industriekünstler. Die Radierungen von sehr hoher Qualität stammen aus einer Mappe zum 25-jährigen Werksjubiläum des Hochofenwerkes Lübeck im Jahr 1930 und kamen in einem originalen, an den damaligen Generaldirektor Dr. Moritz Neumark adressierten Paket in Lübeck an. Dieses Paket inklusive Mappe ist Kern- und Angelpunkt der Ausstellung.

Die Radierungen zeigen Szenen und Gebäude sowie Arbeitsabläufe des Lübecker Hochofenwerks in der Anfangszeit des Werksbestehens in den 1920er Jahren. Ziel dieser Kunstwerke war es, die Arbeitsabläufe und Werkstätten nicht nur darzustellen, sondern auch die Arbeit am Werk zu glorifizieren, was an der Art der Darstellung der Anlagen, aber auch der Arbeiter deutlich wird. Demzufolge ist die Schau keine reine Kunstausstellung, sondern die Radierungen sollen in einen historischen Kontext gesetzt und deren Motive hinterfragt werden. Jedes Bild begleitet eine detaillierte Erläuterung zum Motiv und zu den dargestellten Abläufen und Gebäuden bzw. den Tätigkeiten der Arbeiter. Dies war der Museumsleiterin und Kuratorin Dr. Bettina Braunmüller besonders wichtig: „Die Ausstellung ist sowohl interessant für Menschen, die Kunst zu schätzen wissen, als auch für solche, die sich für die kulturwissenschaftlichen Hintergründe der Industriekunst und Auftragsarbeiten interessieren. Gleichzeitig spricht sie Besucher:innen an, die mit Kunst nicht viel anfangen können, aber die technischen Produktionsabläufe des Hochofenwerkes im Detail erkunden wollen. Ich für meinen Teil finde, dass gerade diese Vielschichtigkeit in den Themen und Betrachtungsweisen den Reiz der Ausstellung ausmacht und somit viele Menschen aller Altersgruppen anspricht.“

Ergänzt wird die Ausstellung von weiteren Werken von Dirk van Hees sowie 15 anderen Beispielen von Industriekunst der Künstler Eschke (1921), Krausser (1925), Richter (1954), Assmann (1980/81) und Steinbrüggen (1992) aus sehr unterschiedlichen Zeitperioden und mit sehr unterschiedlichen Hintergründen. Auch ist ein überdimensionales „Werbeplakat“ der Firma Flender zu sehen, gefertigt durch Eckert & Pflug, Kunstanstalt Leipzig, einem Kunstverlag mit Schwerpunkt auf perspektivischer Darstellung von Industrieanlagen. „Dieses Werbeprodukt hängt seit Jahrzehnten ungesehen im Verwaltungsteil des Museums und wird in dieser Ausstellung nun zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht“, erklärt Braunmüller.

Jedes Bild bzw. jede Bilderserie begleitet eine detaillierte kunstwissenschaftliche Expertise der Kunsthistorikerin Andrea Haarer ebenso wie eine historische Einordnung des Dargestellten durch Kuratorin Braunmüller.

Des Weiteren wirft die Ausstellung die Frage nach der Industriekunst auf, nach ihren Künstlern und Auftraggebern, nach ihrer Motivation und Faszination, nach der Veränderung der Kulturlandschaft und der Härte der Arbeit. Daher werden die Kunstwerke ebenfalls von Informations- und Bildtafeln begleitet, die historische Hintergründe und Personenbiografien erläutern und alles in einen größeren Kontext setzen.

Die Ausstellung wird von der Possehl-Stiftung und dem Förderverein des Museums unterstützt.

Vernissage

Die Vernissage findet am 13. Mai um 14 Uhr im Rahmen einer Führung durch die Museumsleitung und Kuratorin der Ausstellung Dr. Bettina Braunmüller statt, zu der im Anschluss bei Kaffee und Kuchen die Möglichkeit für einen Gedankenaustausch besteht.

Um telefonische Anmeldung unter (0451) 122-4195 wird gebeten, da nur begrenzt Plätze verfügbar sind. Die Teilnahme beträgt 7 Euro, für Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren 5 Euro und für Kinder zwischen 6 und 15 Jahren 2 Euro.

Öffentliche Führungen

Im Rahmen des Internationalen Museumstages am 15. Mai führt Kuratorin und Museumsleiterin Dr. Bettina Braunmüller um 11 Uhr kostenlos durch die Ausstellung. Weitere Führungen finden am 4. Juni, am 2. Juli und am 6. August jeweils um 11 Uhr durch ein Mitglied des Vereins für Lübecker Industrie- und Arbeiterkultur e.V. statt. Führungen für Gruppen und Schulklassen können individuell nach Absprache gebucht werden.

Weitere Informationen unter https://geschichtswerkstatt-herrenwyk.de/+++

Quelle: Die Lübecker Museen