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Veröffentlicht am 10.06.2021

Armin Mueller-Stahl. Nacht und Tag auf der Erde

Sonderausstellung zum 90. Geburtstag des Weltstars in der Kunsthalle St. Annen vom 16. Juni bis 3. Oktober 2021

Der 90. Geburtstag des Weltstars Armin Mueller-Stahl ist für die Kunsthalle St. Annen der Anlass, sein Schaffen im Bereich der bildenden Kunst in den Blick zu nehmen: Ab Mittwoch, 16. Juni 2021, lädt die Sonderausstellung „Armin Mueller-Stahl - Nacht und Tag auf der Erde“ dazu ein, das Œuvre des 1930 in Tilsit / Ostpreußen geborenen Malers, Musikers und Schauspielers zu entdecken. Mit der Vielschichtigkeit seiner künstlerischen Ausdrucksweisen stellt Armin Mueller-Stahl eine Ausnahmeerscheinung in der Kunst des 21. Jahrhunderts dar. Daher werden in der Ausstellung seinen Gemälden, Zeichnungen und Druckgrafiken unmittelbar Filmsequenzen und Szenenfotos gegenübergestellt, die deutlich machen, dass für Mueller-Stahl sein schauspielerisches und malerisches Schaffen stets eine Symbiose eingehen und sich seine unterschiedlichen künstlerischen Aktivitäten gegenseitig beeinflussen. Die rund 140 Bilder der Ausstellung wurden mit dem Künstler zusammen ausgewählt. Dabei ist sein jüngster Werkzyklus „Jüdische Schicksale, Freunde und Weggefährten“ in dieser Form erstmals in der Öffentlichkeit zu sehen.

Jan Lindenau, Bürgermeister der Hansestadt Lübeck, freut sich, dass die bereits 20jährige enge Verbindung des in der Lübecker Bucht wohnhaften Künstlers und der Hansestadt damit erneut gefestigt wird. „Kunst begegnet uns in ihren vielen Formen zwar immer wieder im Alltag, aber es braucht den richtigen Rahmen, um sie bewusst zu erleben und auf sich wirken lassen zu können. Ich freue mich, dass wir diesen bieten können.“

Prof. Dr. Hans Wißkirchen, Leitender Direktor der Lübecker Museen, ist „sehr stolz darauf, dass die Kunsthalle St. Annen in Lübeck zum 90. Geburtstag von Armin Mueller-Stahl eine große Ausstellung seiner Werke zeigen kann. Die Kunsthalle mit ihrer Spannung zwischen Alt und Neu wird eine ganz besondere Aura für die Werke dieses Multitalents schaffen.“

Die Präsentation umfasst eine große mediale Bandbreite von den frühen Gemälden über meisterhaft ausgeführte druckgrafische Zyklen und großformatige allegorische Gemälde bis hin zu Porträts. „Mir war es wichtig, einen Querschnitt seiner Arbeiten zu zeigen“, so die Leiterin der Kunsthalle und Kuratorin der Ausstellung, Dr. Antje-Britt Mählmann. Dabei soll das Schaffen Mueller-Stahls anhand einiger exemplarisch ausgewählter Themen- und Werkblöcke dargestellt werden. Vorbilder, Erfahrungen und Werke im Bereich der Schauspielerei, der Musik sowie der bildenden Kunst werden dabei ebenso berücksichtigt wie einschneidende Erlebnisse von politischer Unterdrückung, Verrat, Spionage und Migration, die Mueller-Stahls Schaffen tief geprägt haben.

„Von Osten nach Westen“

So greift der Themenblock „Von Osten nach Westen“ die für die Biografie Mueller-Stahls zentrale Auseinandersetzung mit der prägenden Erfahrung des ehemaligen DDR-Regimes und dessen Auswirkungen auf das alltägliche Leben auf. Nach seiner Ausreise in die BRD 1980 entschloss sich der Künstler mit fast 60 Jahren zu einem weiteren Neubeginn in den USA, wo er große Erfolge in bekannten Hollywood-Produktionen feierte. Diese spezielle Lebenssituation des Künstlers zwischen den USA und Deutschland, respektive der früheren DDR, war für sein Schaffen von Bedeutung. Viele Begegnungen in der Deutschen Demokratischen Republik, der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika haben Mueller-Stahl im Laufe seines Lebens inspiriert und sind in seinem Œuvre wiederzufinden.

Der Urfaust

Goethes „Faust“ bot seit jeher Inspiration für zahlreiche künstlerische Produktionen und Abwandlungen, so auch für Mueller-Stahl. 2003 widmete er sich diesem Grundstoff in einem umfassenden Lithografie-Zyklus; er schuf auch verschiedene Gemälde zu diesem Thema. Diese Werke zeigen die Tiefe der Auseinandersetzung des Künstlers mit existenziellen Fragen und der Sinnsuche des Einzelnen in einem größeren gesellschaftlichen und philosophischen Kontext.

„Night on Earth – Day on Earth“

Druckgrafische Techniken wie zum Beispiel die Lithografie nahmen für den Künstler seit den frühen 2000er Jahren insgesamt an Bedeutung zu. Diese Einzelwerke und Bildzyklen stehen vielfach in einem direkten Bezug zu Mueller-Stahls Arbeit als Hollywood-Schauspieler. So beschäftigt sich der im Jahr 2004 entstandene Lithografie-Zyklus “Night on Earth – Day on Earth” mit der nicht-linearen Erzählstruktur und den Charakteren des 1991 erschienenen Films „Night on Earth“, in dem der Schauspieler den New Yorker Taxifahrer Helmut Grokenberger spielte, einen ehemaligen Clown aus Ostdeutschland. Weitere Gemälde reflektieren seine Eindrücke von Filmen wie „Shine“, „Utz“ oder „Illuminati“.

Der Künstler und die Spannungen der Gegenwart

Einen Kontrast zu den kleinteiligen, oft narrativ als Serie angelegten druckgrafischen Werken, bilden Mueller-Stahls großformatige Gemälde. Auch für diese Leinwände sind Variationen ein Grundmotiv – vielfach verknüpft mit musikalischen Themen aus der klassischen Musik oder dem Jazz, die den begabten Musiker ebenso faszinieren wie seine literarischen, filmischen und künstlerischen Vorgänger. Zudem bewegen das aktuelle Zeitgeschehen in Deutschland, gegenwärtige Bewegungen in der Politik, globale Kriege und ganz besonders die Situation der Menschen, die zu Flucht oder Migration gezwungen sind, den Künstler.

Jüdische Schicksale, Freunde und Weggefährten

Der jüngste Werkzyklus in der Ausstellung besteht aus Porträts berühmter jüdischer Persönlichkeiten in der Weltgeschichte und Gegenwart. Unter den Porträtierten finden sich viele Kulturschaffende wie Walter Benjamin, Franz Kafka oder Billy Wilder. Alle vom Künstler porträtierten Persönlichkeiten, obgleich teils nicht weithin bekannt, haben auf ihre Weise die Welt geprägt. Die Wirkungsorte der Dargestellten bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen Deutschland, Österreich, Israel und den USA. Alle Werke Mueller-Stahls zeichnet eine hohe Affinität zum Zeichnen und Malen der subtilen Nuancen menschlicher Gesichter und der in ihnen verborgenen Wesenszüge aus. Dies sei laut Kuratorin Mählmann auf das besondere schauspielerische Interesse des Künstlers, verschiedene Charaktere zu ergründen und sich in sie hineinzuversetzen, zurückzuführen.

In der Ausstellung verdeutlichen Filmausschnitte die Bezüge einzelner Werkblöcke zum filmischen Schaffen. Ein Videointerview mit dem Künstler liefert weitreichende Erklärungen zu seinen Intentionen. Ein Filmraum in der Black Box der Kunsthalle soll es den Besucher:innen zudem ermöglichen, in Mueller-Stahls Biografie sowie seine schauspielerische und malerische Entwicklung im Kontext der Zeitgeschichte einzutauchen. Die Ausstellung endet am 3. Oktober 2021.

Vernissage

Die Ausstellung wird am 15. Juni um 18.30 Uhr voraussichtlich im Beisein des Künstlers im Theater Lübeck eröffnet. Grußworte werden vor Ort von Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau, Björn Engholm, Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein a.D., dem Leitenden Direktor der Lübecker Museen Prof Dr. Hans Wißkirchen sowie digital von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther gesprochen. Im Anschluss gibt die Leiterin der Kunsthalle St. Annen, Dr. Antje-Britt Mählmann, eine Einführung in die Ausstellung. Die Veranstaltung ist bereits ausverkauft. Ab Mittwoch, 16. Juni, wird ein Video der Eröffnung auf der Homepage der Kunsthalle St. Annen zu sehen sein. Ebenso gibt es dort einen Ausstellungsfilm zu sehen, in dem Armin Mueller-Stahl über seine Arbeiten spricht.

Katalog

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit etwa 130 Farbabbildungen der ausgestellten Werke. Die Publikation enthält außerdem ein Künstler-Interview von Armin Mueller-Stahl mit Antje-Britt Mählmann. Der Katalog ist für 28 Euro im Museumsshop erhältlich.

Begleitprogramm

Begleitend zur Ausstellung ist ein vielfältiges Programm geplant. Unter anderem wird es einen Workshop zu Politiker-Porträts des Künstlers in Kooperation mit dem Willy-Brandt Haus Lübeck geben, der sich speziell an Schüler:innen richtet. Dieser bezieht unter anderem aktuelle Fragestellungen nach Selbstinszenierung und Fremdwahrnehmung ein. Weitere Führungen und dialogische Formate sind über die Kunsthalle buchbar, sofern es die aktuellen Corona-Regeln zulassen. Die Termine der Veranstaltungen werden, abhängig von der Pandemielage, auf der Website der Kunsthalle St. Annen bekannt gegeben. Am Sonntag, 20. Juni, wird um 17 Uhr außerdem der Film „Nackt unter Wölfen“ im CineStar Lübeck gezeigt. Im Anschluss findet ein Publikumsgespräch statt. Der Film wird in Kooperation mit den Nordischen Filmtagen aufgeführt. Der Eintritt beträgt 9,50 Euro; ermäßigt 6,50 Euro. Tickets sind unter www.cinestar.de/kino-luebeck-stadthalle erhältlich.

Weitere Informationen unter www.kunsthalle-st-annen.de +++

Quelle: Die Lübecker Museen