Auszug - Mitteilungen des Stadtpräsidenten  

21. Sitzung der Bürgerschaft der Hansestadt Lübeck in der Wahlperiode 2023 - 2028
TOP: Ö 4
Gremium: Bürgerschaft der Hansestadt Lübeck Beschlussart: zur Kenntnis genommen / ohne Votum
Datum: Do, 29.01.2026 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:00 - 21:23 Anlass: Sitzung
Raum: Bürgerschaftssaal
Ort: Rathaus, 23552 Lübeck
 
Wortprotokoll

Zwei Tage haben mich in diesem Monat ganz besonders bewegt und durch die intensivere Beschäftigung und den Besuchen und Reden auf den Gedenkveranstaltungen auch noch einmal unfassbar betroffen gemacht.

Das war zum einen der 18. Januar, an dem genau vor 30 Jahren, 1996, sieben Kinder und 3 Erwachsene in der Unterkunft für Asylsuchende in der Lübecker Hafenstraße durch einen

Brandanschlag getötet….ermordet….wurden und 38 weitere Asylsuchende verletzt wurden.

Bis heute wurde nicht juristisch geklärt, wer den Brand gelegt hat….dazu noch gleich mehr.

Vorgestern – am 27.1. - 81 Jahre nach Ausschwitz - haben wir den Opfern des Holocaust gedacht.

Wer gestern den Erlebnissen und Schilderungen der Holocaust Überlebenden Tova Friedmann im Bundestag zugehört hat, dem ist es kalt dem Rücken runtergelaufen, dem können Zweifel an der Welt und letztendlich an uns allen kommen.  Aber die Erinnerung an dieses unbeschreibliche Leid und diese grauenhaften Taten, das Gedenken an die Ermordeten und der Umgekommenen, helfen eine Wiederholung zu verhindern. Vergessen ist nicht normal, Vergessen ist gefährlich.

Bitte erheben Sie sich um mit gemeinsam den Opfern des 18.Januars 1996 und des Holocausts zu gedenken.

-          Schweigeminute -

Vielen Dank, bitte nehmen Sie Platz.

Wie ich eben gesagt habe, wurde bis heute juristisch nicht geklärt, wer für den Brandanschlag in der Hafenstraße verantwortlich war. Wir haben uns im Ältestenrat auf Anregung Herrn Stolzenbergs – mit dem ich gemeinsam die Gedenkveranstaltung in Kiel besucht habe – besprochen und möchten diesbezüglich noch einmal deutlich unser Unverständnis dafür ausdrücken. Und wir bedanken uns bei der Initiative Hafenstraße 96 für ihre steten Bemühungen und Forderungen zur Aufklärung, zum Gedenken und für die bis heute andauernde große Unterstützung der Hinterbliebenen und Betroffenen.

Zusätzlich bitten wir hiermit Bürgermeister Jan Lindenau diesen 30. Gedenktag zum Anlass zu nehmen, noch einmal das Unverständnis der Stadt & Bürgerschaft und die Bi e auf Prüfung zu einer möglichen Neuaufnahme des Falles beim Justizministerium schriftlich vorzutragen. Herr Lindenau hat mir dies bereits zugesagt. Vielen Dank.

Jetzt fällt mir der Wechsel zur Tagesordnung nicht leicht, ich rufe nun trotzdem Tagesordnungspunkt 5 auf.