7 Leuchttürme aus Lübeck
Die Energiewende von nebenan
Wir alle in Lübeck kennen die 7 Türme, aber kennen Sie auch die 7 Leuchttürme?
Ebenso wie die Silhouette Lübecks stehen die 7 Leuchttürme für Beständigkeit und Sicherheit – Beständigkeit im Wandel. Dabei sind sie auf den ersten Blick unscheinbar, ein Solarpark hinter einem Knick, ein Photovoltaik-Gründach, das man wegen unseres geschützten Stadtbildes gar nicht sehen soll oder eine innovative Wärmepumpe hinter der Fassade. Diese und weitere Bestrebungen von echten Menschen aus Lübecks Nachbarschaft sind es, die uns auch in Zukunft Sicherheit geben.
Denn mit Ihren Projekten sorgen diese Lübeckerinnen und Lübecker schon jetzt dafür, dass es im Winter behaglich warm wird, Energie nicht zum Fester rausgeht, Bienen einen Platz zum Summen haben und mit Strom Geld verdient wird. Was diese Menschen eint, ist die Überzeugung, dass wir unsere Zukunft selber gestalten können. Nicht nur das, Mitgestalten ist sinnvoll und lohnt sich – für Lübeck ebenso wie uns selbst.
Sind Sie neugierig geworden? Dann kommen Sie zu unseren Veranstaltungen. Insbesondere die große Ausstellung zu den 7 Leuchttürmen möchten wir an möglichst vielen Orten in Lübeck zeigen. Stöbern Sie auch gern auf dieser Seite. Hier präsentieren wir erstmalig die 7 Leuchtturmprojekte, die exemplarisch für das zivilgesellschaftliche Engagement so vieler stehen. Etwa ein Mal pro Monat wird auf dieser Seite ein Projekt vorgestellt. Um garantiert nichts zu verpassen und die Neuigkeiten zu den Projekten noch früher zu erhalten, abonnieren Sie gern unseren Newsletter.
Übrigens: Sollten Sie der Meinung sein, Ihr eigenes Energiewende-Projekt gehört auch in die Liste der Leuchtturm-Projekte, schreiben Sie uns eine Mail an: klimaleitstelle@luebeck.de. Wir freuen uns.
Wärmepumpe fürs Mehrfamilienhaus? Im Gebiet der Erhaltungssatzung? Geht!
Die Geschichte dieses Leuchtturmprojekts beginnt im Jahr 2022, seitdem die Familie Schneider in der Geverdestraße in Lübeck St. Lorenz ein Mehrfamilienhaus hat. Es ist nicht das erste Immobilienprojekt, das Silja Schneider betreut. Relativ schnell erkennt man im Gespräch, dass sie keine „normale“ Frau ist. Als Physiotherapeutin hat sie ursprünglich einen sozialen Beruf erlernt. Man merkt ihr dieses Herz auch heute noch an. 2000 und 2003 kommen ihre Kinder zur Welt. Nach einer Phase der Kinderbetreuung geht es 2005 zurück in ihren Lernberuf. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, vor allem ihre persönliche Vorstellung von Glück, war für sie kurze Zeit später aber nicht mehr gegeben. Sie bespricht sich mit Ihrem Mann und sie entscheiden, zukünftig ihre eher weiße Berufskleidung des Öfteren gegen einen Blaumann zu tauschen. Sie will anpacken. Mehr Work-Life-Balance und vor allem was mit Immobilien, das ist Ihre Vorstellung vom Leben und ihrer Berufung. Ihr Mann begleitet all ihre Schritte und fördert sie. Fragt man ihn heute, wie er den Schritt seiner Frau im Nachhinein beurteilt, erhält man ein kurzes "Wow!". Die ein oder andere Person aus ihrem Umfeld reagiert allerdings irritiert. Warum macht sie das? Hat sie das wirklich nötig? Sie könnte sich doch auch um ihr eigentliches Wohnhaus in Stockelsdorf kümmern, ihren Mann mehr unterstützen. Oder Tennis, Yoga, Shoppen - halt die Dinge, die viele „normale“ Frauen ihrer Generation so machen.
Sie ist aber anders. In den folgenden Jahren nimmt sie ihre Kinder teilweise mit auf die Baustellen oder die Verwaltungstermine ihrer Objekte, baut persönliche Bindungen zu ihren Mietenden und zukünftigen Bewohnenden auf. Ihre Kinder entwickeln so schon schnell ein Verhältnis zu Immobilien. Im Laufe der Jahre, sagt sie, hat sich aber etwas verändert. Sicherlich haben ihre Kinder hier auch einen Einfluss auf sie ausgeübt: „Es geht bei Anlageimmobilien überall immer nur die größtmögliche Rendite. Notwendige energetische Sanierungen sind teuer und für die meisten gefühlt unrentabel, trägt aber zum Werterhalt der Immobilie bei. Und es ist doch ersichtlich, dass wir irgendwann ein Problem bekommen. Lübeck will klimaneutral werden! Was kommt denn bitte nach 2035? Das ist in weniger als 10 Jahren. Wir können also nicht noch weitere 20 Jahre wieder nichts machen.“ Ihre Betonung liegt hier übrigens auf dem „wieder“.
Als sie feststellt, dass das Haus in der Geverdestraße ständig kaputte Heizungen hat, stellt sich die Frage nach der Zukunft: wieder Gas-Etagenheizungen oder eine zentrale Lösung? Aber – ist das die Zukunft? Sie fasst einen Entschluss: Sie will das jetzt, wie sie es nennt, richtig machen. Richtig machen, bedeutet für sie, das unter Erhaltungssatzung stehende Haus nicht nur zu sanieren, sondern es ökologisch fit für die Zukunft zu machen. Es wird das erste Altbauobjekt mit einer Wärmepumpe im Quartier am Brolingplatz in St. Lorenz werden.
Schnell arbeitet sie sich in die Materie ein. Sie will wissen, wie das alles funktioniert. Das ist ihr immer schon wichtig gewesen. Kann ich wirklich mit einer Wärmepumpe ein so altes Mehrfamilienhaus heizen? Was für Schritte sind notwendig? Sie wühlt sich durch einen Informationsdschungel. Sie führt Gespräche, zuerst mit der Familie, dem Freundeskreis und stößt bald darauf Diskussionen mit Fragen an, von denen die meisten noch nicht einmal etwas gehört haben. Es geht auch um mögliche Belastungen für die Mietenden. Sie selbst wohnt nicht in dem Haus. Kann sie das machen? Können sich alle Beteiligten diese Transformation leisten? Organisatorische Dinge sind einfach zu erledigen, es fehlen Dokumente und Bauzeichnungen, die angefertigt werden müssen. Ja, das kostet viel Nerven und Zeit. Bei Ämtern stößt sie auf große Unterstützung, Begeisterung und Zusammenarbeit. Womit sie hingegen nicht gerechnet hat: Vorverurteilungen durch Nachbarn, die ihr Veto einlegen. Zu laut sei eine Wärmepumpe.
Silja Schneider kritisiert heute vor allem, dass uns eine gemeinsame Utopie fehlt, die die große Aufgabe des Klimaschutzes für uns einrahmt. Es geht auch um eine fehlende und lösungsorientierte Diskussionskultur. Selbst im Jahr 2026 stellt sie immer noch fest, wie wenig die meisten Immobilienbesitzenden, auch aus ihrem Umfeld, von vielen Aspekten noch nie etwas gehört haben. Es folgen dann veraltete Einstellungen, die auf falschen Fakten basieren. Im schlimmsten Fall treffe man in Veranstaltungen auf Personen, die Klimaschutz nach wie vor als Öko-Spinnertum abtun und damit auch noch die Deutungshoheit des Abends genießen. Das versucht sie zu ändern. Das muss sich für sie ändern.
Im Mai 2025 lernt sie dann eine dänische Firma kennen, die eine andere Art von Wärmepumpe im Sortiment hat. Sie steht nicht irgendwo an der Wand, sondern ähnelt einem Pilz, ein Teil dieser Wärmepumpe ist im Erdreich versenkt, das Gebläse pustet die Luft nach oben. Und die Firma kann diese Anlage sogar schnell liefern. Ein passender Betrieb hat Kapazitäten für den Einbau. Sie findet Einigungen mit Mietenden, den Anwohnenden und Behörden. Der Vorgarten wird ausgehoben, Fundamente geschüttet. Heute steht der Wärmepumpen-Pilz sichtbar für alle im Vorgarten. Es ist der erste seiner Art im Quartier. Wenn der Sommer endlich da ist, wird er durch einen bienenfreundlich angelegten Vorgarten gesäumt. Sie macht das stolz. So ein Einbau kann dann am Ende schnell gehen.
Für die Familie Schneider ist das Leuchtturmprojekt bei Weitem aber noch nicht abgeschlossen. Viel Geld ist mittlerweile in das Haus geflossen. Dazu seit Jahren wöchentlich fünf bis sechs Stunden Arbeit. Die Wärmedämmung des Hauses ist nach wie vor eine Baustelle, insbesondere weil das Haus im Altbauquartier am Brolingplatz steht. Hier kann man nicht einfach Fassadendämmung anbringen. Der technische Fortschritt macht heute aber vieles einfacher. Sie ist auch hier eine der Ersten und testet derzeit einen auf Nanotechnologie basierenden Dämmputz, welcher aufgrund der minimalen Materialstärke von ca. 1 mm die Struktur der Altbaufassade erhält. Mittlerweile arbeitet sie zusammen mit Ihrem erwachsenen Sohn Claas. Beide besitzen gleichzeitig ein Verständnis dafür, dass sie sich selbst und auch die Mietenden nicht finanziell überlasten können.
Sie will ihre Erfahrungen weitergeben und möchte, dass es für zukünftige Interessierte einfacher und leichter ist. Hier hat sie eine Checkliste zum Heizungstausch von Immobilien in der Erhaltungssatzung erstellt. Und die ökologische Transformation muss schneller als bisher gehen, das ist ihr besonders wichtig. Spätestens hier merkt man noch einmal, dass Silja Schneider keine normale Lübeckerin ist – sie ist eine Powerfrau, die vorangeht und so einen tollen Leuchtturm geschaffen hat.
Die Klimaleitstelle zeigt Ihr Projekt im Zuge der Ausstellung Die 7 Leuchttürme der Energiewende in Lübeck auf der Auftaktveranstaltung der GO.GROON-Messe am 24.04.2026, wo Frau Schneider auch live von Ihren Erfahrungen berichtet. Übrigens können Sie Silja Schneider (silja.klimadialog) auch auf Instagram folgen.
Auftakt zur GO.GRØØN 2026 – Impressionen der Messe
Am 24. April 2026 startete die Kampagne 7 Leuchttürme zusammen mit der GO.GRØØN – Messe für Nachhaltiges und Faires. Zur Auftaktveranstaltung mit Markus Gürne wurden vier der sieben Leuchttürme auf großer Bühne vorgestellt. Außerdem eröffneten wir die Ausstellung zur Kampagne, von der Illustratorin Elizaveta Schefler.
Größte Solarthermie Anlage Schleswig-Holsteins na klar, in Lübeck.
Größter Solarthermiepark Schleswig-Holsteins - für uns schon ein guter Bekannter
Wenn man den Solarthermiepark Moisling zum ersten Mal besucht, wirkt vieles erstmal unspektakulär. Große Reihen dunkler Kollektoren ziehen sich über die Fläche südlich der Bahnschienen, daneben Technikgebäude, Leitungen, Speicher. Kein lautes Brummen, keine futuristische Inszenierung. Und genau darin liegt vielleicht seine besondere Stärke: Hier wird nicht über die Wärmewende gesprochen – hier funktioniert sie bereits.
Im Rahmen unserer Kampagne „7 Leuchttürme“ haben wir den Solarthermiepark in den vergangenen Monaten mehrfach besucht, gemeinsam mit unserer Illustratorin Elizaveta Scheffler, die das große Poster gestaltet hat. Dabei ging es nicht nur darum, Informationen zu sammeln oder Fotos zu machen. Es ging vor allem darum zu verstehen, was diesen Ort eigentlich so besonders macht.
Besonders beeindruckend war dabei die Begeisterung der Menschen, die den Park geplant und umgesetzt haben. Bei den Führungen wurde schnell deutlich, wie viel technische Präzision und planerische Weitsicht in dem Projekt steckt. Die Kollegen der Stadtwerke erklärten anschaulich, wie die Solarthermie-Kollektoren funktionieren, wie Sonnenenergie aufgenommen und als Wärme in das Fernwärmenetz eingespeist wird und warum der große Wärmespeicher dabei eine zentrale Rolle spielt. Diese Mischung aus technischer Kompetenz und ehrlicher Überzeugung hat Eindruck hinterlassen.
Der Solarthermiepark liefert inzwischen rund zwölf Prozent der Fernwärme für den Stadtteil Moisling. Damit wird bereits heute ein relevanter Anteil der Wärmeversorgung klimafreundlich erzeugt. Gleichzeitig ist die Anlage so konzipiert, dass sie weiter wachsen kann. Freiflächen für zusätzliche Kollektoren sind vorhanden, größere Speicher wären denkbar und auch die Ergänzung durch weitere Technologien wie Wärmepumpen oder Erdsonden ist möglich. Genau diese Offenheit macht das Projekt so spannend: Der Park ist keine abgeschlossene Lösung, sondern Teil eines Systems, das sich weiterentwickeln kann.
Eindrucksvoll ist dabei auch das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten. Die Wärme wird nicht nur direkt genutzt, sondern in einem großen Speicher zwischengespeichert. Dadurch kann auch dann Wärme bereitgestellt werden, wenn gerade keine Sonne scheint – etwa nachts oder bei wechselhaftem Wetter. Ergänzt wird die Anlage durch eine Photovoltaikanlage, die den Strom für die Pumpen und technischen Komponenten direkt vor Ort erzeugt. Dadurch wird auch der Betrieb der Anlage selbst noch klimafreundlicher. Es sind genau diese gut durchdachten Details, die zeigen, wie sorgfältig hier geplant wurde.
Spannend war bei den Besuchen auch zu sehen, dass der Solarthermiepark weit mehr ist als reine Energieinfrastruktur. Zwischen den Kollektoren wachsen heimische Pflanzen, die Flächen werden ökologisch gepflegt und teilweise sogar durch Schafe beweidet. Das Regiosaatgut für diese Wiese dafür soll übrigens so teuer gewesen sein, dass es intern auch gern „Feenstaub“ genannt wird.
Im Gespräch wurde außerdem deutlich, dass der Solarthermiepark nur ein Baustein einer viel größeren Entwicklung ist. Die Wärmewende funktioniert nicht über eine einzelne Technologie. Sie entsteht durch das Zusammenspiel vieler Lösungen: Fernwärme, Wärmepumpen, Gebäudesanierung, Solarenergie, Speichertechnologien und das Engagement der Menschen vor Ort. Genau das möchten wir mit unserer Kampagne „7 Leuchttürme“ sichtbar machen.
Denn die Wärmewende ist keine abstrakte Zukunftsaufgabe mehr. Sie findet bereits heute in Lübeck statt – in Quartieren, auf Dächern, in Heizungsräumen und eben auch auf einer Fläche in Moisling, auf der Sonnenenergie jeden Tag in Wärme für tausende Menschen umgewandelt wird.
Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus den Besuchen im Solarthermiepark: Gute Klimaschutzprojekte entstehen dort, wo Technik, langfristige Planung und gemeinsames Engagement zusammenkommen. Die Stadt, die Stadtwerke, Unternehmen und Bürger:innen – alle tragen ihren Teil dazu bei. Und genau darin steckt die eigentliche Stärke der Wärmewende in Lübeck: Gemeinsam auf Klimakurs!
Wenig Platz: Trotzdem Solarenergie und viel Grün.
Frau Untiedt wohnt am Brolingplatz. Hier spürt man die Kraft der Sonne im Sommer häufig doppelt: viele versiegelte Flächen, wenig Grünflächen, da heizt es sich im Sommer extra stark auf. Frau Untiedt hat zum Glück einen alten Apfelbaum hinter dem Haus stehen, der merklich Temperaturunterschiede an heißen Tagen im Sommer erzeugt. Und weil Sie ein positiver Mensch ist, kam Frau Untiedt die Idee, die Kraft der Sonne zu nutzen.
Auf dem Dach soll mit Hilfe einer Photovoltaikanlage der eigene Strom erzeugt und - wenn möglich - mit einer Dachbegrünung kombiniert werden. Natürlich ist sie mit der Idee nicht die erste, aber zumindest im Viertel rund um den Brolingplatz ist Photovoltaik noch selten.
Wenn Sie die Häuser am Brolingplatz nicht kennen: Es sind kleine meist doppelgeschossige Häuser, die eng beieinanderstehen – eher wie Reihenhäuser mit entsprechend kleinen Grundstücken. Machen wir uns gemeinsam mit Frau Untiedt auf den Weg.
Frau Untiedt ist eine Macherin. Also während im Kopf die Idee entsteht, wird gleichzeitig in die Hände gespuckt und losgelegt mit dem, was einfach und direkt machbar ist. Sie hat die benachbarte Doppelhaushälfte erworben und erst einmal eine ganze Menge an Betonplatten aufgenommen und verschenkt, die vorher Vorgarten und Hinterhof versiegelt haben. Mit den Betonplatten hat eine junge Familie Hochbeete gebaut. Deren Ziel: auf dem eigenen Grundstück einen möglichst hohen Anteil an Eigenversorgung mit Gemüse zu erreichen. Steine und Stand unter den Platten wurden entsorgt, dafür wurde dann kostenfrei neue Erde (Kompost) vom Wertstoffhof Niemark geholt. Nur den Transport und das Beladen muss man selber organisieren und schon auf dem Rückweg erfüllt der angenehm an einen Waldspaziergang erinnernde Duft das Transportfahrzeug.
Ein Vorteil des entsiegelten Streifens im Vorgarten war, dass dadurch eine geringere Niederschlagswassergebühr bezahlt werden musste. Die Fläche ist nicht mehr voll versiegelt, es kann mehr Wasser versickern. Gleichzeitig sorgt der begrünte Hinterhof nicht nur für leckere (und dank der guten Komposterde sehr große) Kartoffeln, sondern auch für ein kühleres Mikroklima.
Zur gleichen Zeit hat die Hansestadt Lübeck rund um den Brolingplatz ein energetisches Quartierskonzept erstellen lassen. Dabei geht es um passende Klimaschutzmaßnahmen für das Quartier mit dem Fokus auf energetischer Sanierung und erneuerbarer Wärmeversorgung.
Damit aus dem Konzept direkt auch eine Umsetzung folgt, hat die Hansestadt auf der Abschlussveranstaltung nach Bewohner:innen gesucht, die ein Pilotprojekt für ein PV-Gründach durchführen wollen. Die Auswahl erfolgte anhand unterschiedlicher Kriterien. An dieser Stelle hat Frau Untiedt die Hand gehoben.
2025 ging es dann los mit der Musterstudie für ihr Haus. Daraus werden aktuell eine Checkliste und Handreichungen abgeleitet, die allen Interessierten zur Verfügung gestellt werden sollen. Ein Fazit vorweg: Grundsätzlich geht es. Dort wo die Balken im Dachgeschoss freiliegen können diese vergleichsweise einfach verstärkt werden. Natürlich muss dies für jedes Haus im Detail geprüft werden.
Bereits heute können Sie sich auf der Homepage der Hansestadt zum Thema Solarenergie und Gründach informieren. Unter anderem finden Sie dort den Solarleitfaden und die Gründachförderung der Hansestadt Lübeck.
Zurück zu Frau Untiedt:
Zusammen mit einem Energieberater und einem Ingenieurbüro für Baustatik wurden die Möglichkeiten für Frau Untiedts Haus abgewogen und erste Angebote von Handwerkern eingeholt. Parallel hat Frau Untiedt mit der Stadtbildpflege der Hansestadt gesprochen, denn rund um den Brolingplatz gibt es eine Erhaltungssatzung da das Gebiet eben einen erhaltenswerten Blick in die Bauzeit der Häuser (ca. 1900) bietet. Nach einem Abstimmungsgespräch, in dem gemeinsam überlegt wurde, wie die Erhaltungssatzung eingehalten werden kann, war für Frau Untiedt der Weg für einen formlosen Antrag frei. Inzwischen sind die Angebote für die Baumaßnahmen da, mit der Zustimmung der Stadtbildpflege kann es danach losgehen. Für ein Gründach reicht der Platz auf dem Dach leider nicht. Aber es ist gut zu wissen, dass auch für die vielen kleinen Häuser im Viertel, die sich baulich stark ähneln, diese Option grundsätzlich funktioniert. Die Photovoltaik wird übrigens ganz unkompliziert zum Ausstattungsmerkmal der beiden kleinen Mietwohnungen, die dort entstehen. So hält sich dann auch die Bürokratie bei späteren Abrechnungen in Grenzen. Grob gesagt funktioniert es so, also als ob pro Wohnung ein Balkonkraftwerk in der Kaltmiete enthalten ist und der Strom einfach genutzt werden kann.
Eine einfache Idee die nur eben vor der Umsetzung gedacht werden muss. Das Ziel, die Abrechnung mit den Mietenden einfach zu gestalten und dadurch die Kosten zu senken steckt auch hinter einer weiteren Idee. Da das ganze Haus – quasi nebenbei – an vielen Stellen angefasst wird, bekommen die Wohnungen jeweils einen eigenen Kreislauf. Ein Heizkreislauf pro Wohnung. Hier gilt es also, gesetzliche Vorgaben und technische Lösungen schlau in Einklang zu bringen.
Photovoltaik fügt sich übrigens im Gesamtbild der Energiewende gut ein. Energie wird da erzeugt, wo sie verbraucht wird und macht uns alle damit unabhängiger vom Weltmarkt.
Wenn die Baumaßnahmen abgeschlossen sind, werden auch die noch vorhandenen Betonplatten entsorgt oder verschenkt und im Hinterhof noch zwei Obstbäume gepflanzt, um möglichst bald ähnlich angenehme Temperaturen wie unter dem alten Apfelbaum im gesamten Garten zu haben.
Frau Untiedt wohnt gerne am Brolingplatz in ihrer kleinen grünen Oase und hofft, dass viele ihrem Beispiel folgen, damit es rund um den Brolingplatz grüner und kühler wird und der Strom an mehr Orten nicht mehr nur aus der Steckdose, sondern auch vom Dach kommt. Ganz nach dem Motto: Gemeinsam auf Klimakurs!
30 Prozent weniger Energie – mit Mut zum Ausprobieren
Manchmal braucht es keine Millioneninvestitionen, keine neue Heizungsanlage und keine aufwendige Gebäudesanierung. Manchmal reicht ein Mensch, der genau hinschaut, sich Zeit nimmt und bereit ist, Dinge auszuprobieren.
Genau das durften wir bei unserem Besuch in der Baltic-Schule erleben – einem der sieben Leuchttürme der Lübecker Energiewende.
Schon beim ersten gemeinsamen Rundgang wurde deutlich, dass Florian Lottis vom Gebäudemanagement der Hansestadt Lübeck die Baltic-Schule bestens kennt. Kein Wunder: Er war selbst Schüler auf der Baltic-Schule und interessierte sich damals schon für die Heizungsanlage. Heute sorgt er dafür, dass sie deutlich effizienter arbeitet.
Was zunächst unspektakulär klingt, hat beeindruckende Auswirkungen. Rund 30 Prozent Heizenergie konnten eingespart werden – und das nahezu ohne Investitionen in neue Technik.
Der Schlüssel zum Erfolg war vor allem Geduld. Florian Lottis ging Raum für Raum durch die Schule, prüfte Temperaturen, stellte Heizkörper manuell ein und führte einen hydraulischen Abgleich durch – nicht anhand theoretischer Berechnungen, sondern direkt im Gebäude. Nach Schulschluss kontrollierte er regelmäßig die Temperaturen und passte die Einstellungen Schritt für Schritt an. Gleichzeitig senkte er nach und nach die Vorlauftemperatur und die Heizzeiten der Heizungsanlage und holte sich immer wieder Rückmeldungen aus der Schule.
Das Ganze war ein klassischer Trial-and-Error-Prozess. Natürlich wurde dabei auch einmal etwas ausprobiert, das sich im Nachhinein als nicht optimal erwies. Doch genau darin sieht Florian Lottis keinen Grund zur Sorge. Sein Lieblingssatz lautet: „Wir sind ja kein Atomkraftwerk.“ Wenn ein Raum einmal etwas zu kühl wird, lässt sich das schnell wieder korrigieren. Viel wichtiger sei, den Mut zu haben, Dinge auszuprobieren und nicht aus Angst vor kleinen Fehlern auf große Einsparpotenziale zu verzichten.
Das Ergebnis spricht für sich. Früher gab es Bereiche der Schule, die regelrecht überheizt waren. Im gläsernen Treppenhaus wurden teilweise Temperaturen von über 26 Grad gemessen – im Winter. Heute werden die Räume deutlich gleichmäßiger beheizt. Niemand muss mehr frieren, gleichzeitig wird aber auch keine Energie mehr verschwendet. Teilweise hat sich der Komfort sogar verbessert, weil extreme Temperaturunterschiede verschwunden sind.
Besonders beeindruckend war unser Besuch in der Grundschule. Obwohl die Heizung an diesem Oktobertag gerade erst wieder in Betrieb genommen worden war und die Heizkörper lediglich mit einer Vorlauftemperatur von rund 34 Grad versorgt wurden, herrschten in den Klassenräumen angenehme Temperaturen. Selbst im Eingangsbereich war es überraschend warm. Technisch ließ sich vieles davon zunächst kaum erklären – Florian Lottis hatte die optimalen Einstellungen schlicht durch sorgfältiges Beobachten und kontinuierliches Nachjustieren herausgefunden.
Nebenbei fielen uns noch weitere clevere Lösungen auf. So sorgt beispielsweise ein einfacher Heizstab dafür, dass die große Heizungsanlage im Sommer komplett abgeschaltet werden kann und trotzdem jederzeit Warmwasser für die Mensa zur Verfügung steht. Früher lief die komplette Heizungsanlage das ganze Jahr durch – für minimale Mengen an Heißwasser. Auch an anderen Stellen wurden bestehende Anlagen vereinfacht oder optimiert, weil sich gezeigt hatte, dass komplizierte Regeltechnik in der Praxis nicht immer die besten Ergebnisse liefert.
Das Schöne an diesem Leuchtturmprojekt ist jedoch, dass es sich nicht auf die Baltic-Schule beschränkt. Ein ähnliches Vorgehen wurde auch im Johanneum erfolgreich umgesetzt – ebenfalls mit erheblichen Energieeinsparungen. Die Erfahrungen zeigen: In vielen öffentlichen Gebäuden steckt noch großes Potenzial. Oft braucht es dafür weniger neue Technik als vielmehr Zeit, Engagement und Menschen, die bereit sind, sich intensiv mit einem Gebäude zu beschäftigen.
Gerade bei den heutigen Energiepreisen machen Einsparungen von rund 30 Prozent einen enormen Unterschied – finanziell ebenso wie für den Klimaschutz. Die Baltic-Schule zeigt eindrucksvoll, dass die Energiewende nicht immer spektakuläre Großprojekte braucht. Manchmal beginnt sie im Heizungskeller – mit einem Thermometer, viel Erfahrung und dem Mut, einfach einmal etwas auszuprobieren.
Ab 31.08. | Abluft-Wärmepumpe: Heiße Luft macht's drinnen warm.
Das Leuchtturm-Projekt wird am 31.08.2026 hier veröffentlicht.
Ab 30.09. | Nachbarschaft an der Obertrave gemeinsam wird's!
Das Leuchtturm-Projekt wird am 30.09.2026 hier veröffentlicht.
Ab 31.10. | Von der Sonne, für uns. Photovoltaikanlage in Ivendorf
Das Leuchtturm-Projekt wird am 31.07.2026 hier veröffentlicht.