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Sonntag, 25.06.2017
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Dr.-Julius-Leber-Straße 13

Sensationslust des Mittelalters

Das in der Dr.-Julius-Leber-Straße 13 (früher Johannisstraße) an der Ecke zur Königstraße gelegene Grundstück wurde um 1230 von dem Lübecker Ratsherrn Bertram Stalbuk mit dem Giebelhaus aus Backstein bebaut. Das Backsteinhaus in der Königstraße ist das wohl älteste gotische Bürgerhaus der Stadt (14. Jh., der Giebel des Hinterhauses ist sogar spätromanisch (um 1230)

Eine Gedenktafel an dem neueren, grauen Haus gegenüber erinnert an den Staatsbesuch Kaiser Karl IV. in Lübeck im Jahre 1375. Kaiserin Elisabeth übernachtete in dem Travelmannschen Haus. Damit das kaiserliche Paar, so besagt es die Legende, abends nach den offiziellen Feiern ohne Treppen zu steigen, zueinander gelangen konnte, hatte der Rat der Stadt eine hölzerne Brücke über die Königstraße bauen lassen. Das war der Anlass für viele Lübecker, sich allabendlich unter der Brücke zu versammeln, um zu beobachten, wie der Kaiser sich zu seiner Gattin schlich. Als die Kaiserin eines Abends ihren Gatten nicht durch das Fenster in ihr Zimmer einsteigen ließ - über ihre Gründe schweigt die Legende - zeigten die Lübecker Solidarität. Stumm um Ehefrieden bittend und vielleicht auch ein wenig neugierig, verharrten sie so lange auf der Straße, bis die Kaiserin das Fenster für ihren Gatten öffnete.

Im Jahre 1812 erwarb der Apotheker Adolf Christoph Sager das Haus und begründete hier eine Apotheke. Einer seiner Nachfolger, Theodor Schorer, hat in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts rückwärtig einen Seitenflügel angebaut und in diesem Zuge die Treppen des rückwärtigen spätromanischen Giebels entfernt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts beabsichtigte der Apotheker Adolf Brandt den Abriss des unwirtschaftlich gewordenen Gebäudes. Der damalige Apothekerlehrling und spätere Schriftsteller Erich Mühsam verfasste anonym Aufrufe, die dazu führten, dass mit gesammelten 25.000,- Goldmark, 1901 der Abriss verhindert und die Ziele des Denkmalschutzes vertraglich durch Eintragung einer beschränkten persönlichen Dienstarbeit im Grundbuch gesichert werden konnten. Infolge des Luftangriffs auf Lübeck im Jahr 1942 brannte die Apotheke innen aus und wurde schon im Kriege durch den Architekten Carl Mühlenpfordt wieder aufgebaut. Die Fassaden des Gebäudes stehen seit 1967 unter Denkmalschutz.

Noch heute beherbergt dieses Gebäude eine Apotheke, die, die Räume als Verkaufsfläche nutzt.

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